Jesus Christus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

(Johannes 20:21)

Jesus sagt diesen Satz, als er zum ersten Mal seinen Jüngern als Auferstandener begegnet: Ich sende euch, so wie mich der Vater gesandt hat. – Ist das ein Versprechen? Eine Aussicht auf etwas Wunderbares? Oder vielleicht eine Drohung: So, wie es mir ergangen ist, wird es euch auch ergehen. In Anbetracht dessen, was er in den vergangenen Tagen durchgemacht hat, hört sich das wenig ermutigend an!

Jesus hatte denselben Satz („wie der Vater mich gesandt hat, sende ich euch“) erst vor drei Tagen bei seiner großen Abschiedsrede gesprochen. (Joh. 17:18) Dort ermutigt er die Jünger ausdrücklich und redet dabei von dem Kontrast zwischen dieser Welt und Gottes Reich. Mit Aussicht auf Gefangennahme, Verurteilung, Marter und Tod ist das wirklich eine Zusage: Die Verbindung Jesu zum Vater gibt ihm selbst Mut und wird auch den Jüngern Mut geben, wenn sie sich den Herausforderungen in der Welt stellen müssen.

Aber dabei bleibt es nicht, die Geschichte geht weiter. Denn Jesus stirbt, und nun wird sich zeigen müssen, ob sich die Zusage bewährt. Zunächst zweifeln die Jünger und geben sich der Angst vor dieser Welt hin, indem sie sich verstecken und Trost unter ihresgleichen suchen. Beeindruckt von den Mächten dieser Welt bleiben sie zwei Nächte im Untergrund. (Joh. 20:19) – Manch einer gibt sich gerne den Betrachtungen der gottlosen Welt einerseits und der Hoffnung auf die liebevolle, hell scheinende Gegenwart Gottes andererseits hin. Wenn wir uns aber schwerpunktmäßig auf den Unterschied der Welten konzentrieren, bleiben wir in der Vogelperspektive und geraten in eine Sackgasse. Ich meine, wir sollten nicht zwischen den Welten hängen bleiben – zwischen dem Tod und der Auferstehung Jesu , denn dann bliebe es für immer Karsamstag. Das gilt auch für uns in der Gemeinde, besonders, wenn wir uns der Gesellschaft, in der wir leben und ihren Themen entziehen. Am Oster-Sonntag geschieht dann das Wunder und Jesus wird auferweckt. Seine Botschaft ist die gleiche wie zuvor, aber angesichts seines neuen Lebens bekommen die Worte eine ganz andere Perspektive: Die Sendung des Vaters galt nicht nur der Opferbereitschaft, vielmehr ist sie eine Sendung ins neue Leben hinein. Das muss den Nachfolgern Christi klipp und klar gesagt werden: Gott hat seinen Sohn nicht einfach nur in den Tod gesandt, sondern in neues Leben. Und genau so sendet Jesus seine Nachfolger: in neues Leben.

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ – dieser Satz muss sich ja gar nicht wie eine Drohung anhören. Zumal Johannes den Friedensgruß als Eröffnung gleich zweimal nennt. Manch einer lässt sich gerne senden, einfach weil Dienst und Opfer ihn nicht schrecken. Vielleicht springt ja sogar etwas dabei heraus!? Aber auch das muss verneint werden. Denn ganz ohne Gegenleistung tut Jesus etwas, das die Sendungsworte mehr als nur unterstreicht: Nachdem er gesprochen hat, haucht er die Jünger an und spricht ihnen den Heiligen Geist zu. (Joh. 20:22) Als fromme Juden kennen sie diesen Hauch – der Leben spendende Atem Gottes (1. Mo 2:7) , und sie wissen, dass nun neues Leben begonnen hat. Nicht erst nach ihrem eigenen Tod werden die Jünger womöglich das Reich Gottes betreten, nein – sie wandeln schon jetzt darin, weil der Heilige Geist mit ihnen ist. Die Sendungsworte sind also in dieser Perspektive weder Drohung noch Verheißung, sondern direkt ins Leben hier und heute gesprochen: Ich sende dich. – Die Sendung Jesu ist also kein Versprechen, keine Aussicht auf irgendetwas irgendwann, sondern die klare und gute Botschaft: Das neue Leben beginnt jetzt. Was auch immer du mit deinem Leben anfängst, lebe es mit dieser Perspektive des neuen Lebens und der Auferstandene spricht dir seinen Frieden zu.

Gottes Segen in der Zeit nach Ostern wünscht dir

Pastor Daniel Meisinger