Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen (Jonathan Swift)

Ich weiß nicht, ob Jonathan Swift den Hebräerbrief kannte. Denn sein wirklich wunderbarer Satz ist nur geklaut.

Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht.“ (Hebräer 11, 1)

Noch ein Satz über Visionen, der in die Geschichte eingegangen ist:
„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ (Altkanzler Helmut Schmidt). Sucht Euch was aus. Ganz im Ernst. Das ist der Lackmustest für unseren Glauben. Die Realisten unter uns neigen zu Schmidt. 4,5 Millionen – bei allem Respekt: Ihr habt doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Die Schwärmer unter uns sagen: Kein Problem. Gibt der Herr ein Häslein, gibt er auch ein Gräslein.

Die Glaubenden unter uns sagen keinen der beiden Sätze. Sie halten es mit dem Verfasser des Hebräerbriefes. Der Glaube als Fundament für unser Gemeindehaus und unser Glaubenshaus. Im Vertrauen auf Gott eine neue Sicht gewinnen. Zu erst auf mich als Person selbst. Mit all meinen Brüchen, mit meinen Unzulänglichkeiten, mit meinem kleinen Glauben, ja, selbst mit meinen Zweifeln. Das Vertrauen auf Gott setzt mir eine neue Brille auf. Und die ist nicht rosarot. Aber ich sehe hinter die Fassade meines Bruders, meiner Schwester. Nicht um zu entlarven, sondern um hinter allen Masken und allem Make-up das geliebte Kind Gottes zu sehen. Der Glaube lässt meine Familie, die Gemeinde, in einem neuen Licht erscheinen. Da sehe ich nicht nur müde, ausgebrannte, abgearbeitete Zeitgenossen. Ich sehe die Gemeinschaft der Kinder Gottes in all ihrer Schönheit.

Wir haben den Startschuss zum Aufbruch gegeben. In ein neues Gemeindehaus. In die Zukunft. Ich muss dabei immer wieder an meinen Freund und Kollegen Hans Stapperfenne denken. Er war mein Augenarzt. Wir standen in einer Bruchbude in Bayreuth. Ich sah nur Arbeit, Dreck und Unmöglichkeit. Und Hans sah schon das neue „Bäckerhaus“, einen Kerzenladen, eine Heimat für Migranten ….

Und immer, wenn wir über Geld sprachen, verbot mir Hans dieses Killerargument der ungläubigen sogenannten Realisten. Über Geld reden wir erst ganz zum Schluss. Ist die Sache von Gott, wird es gelingen.

In dieser Haltung gehe ich gerne mit Euch in die Bauphase. „Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht.“ (Hebräer 11, 1). Lasst uns bei Gott in die Schule gehen und so das anpacken, was er uns anpacken heißt. Er segne und behüte uns in den kommenden Monaten und Jahren.

Pastor Günter Mahler