pexels-photo-110208Vor einem grauen Haupt sollst du aufstehen und die Alten ehren und sollst dich fürchten vor deinem Gott; ich bin der HERR.
Lev. 19, 32

Das passt ja. Zu unserer Diskussion um die Neugestaltung unseres Gemeindehauses. Zum Besuch des JEF bei den Senioren (siehe gesonderter Artikel im Mosaik). Es passt auch in meine Lebenssituation. Ich färbe meine Haare bewusst nicht. „Opa, Du bist ganz scho n grau geworden“ sagte mein Enkel neulich zu mir, als er von oben auf mich herabschaute. Folglich stand er und ich saß. Warum steht dieser Spruch, ungefähr 3.000 Jahre alt, in der Bibel?
 
Offenbar war es auch schon damals mit dem Respekt vor dem Alter nicht weit her. Und heute? „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“
 
Falsch. Nicht heute –dieses Zitat stammt vom griechischen Philosophen Sokrates (470 – 399 v. Chr.).
Also: die Generationenfrage und der Umgang der Generationen untereinander ist ein Thema, so alt wie die Welt.
„Das Alter ehren“ – was heißt das? Bestimmt nicht das, was Karl Simrock so formuliert hat: „Das Alter soll man ehren, der Jugend soll man wehren.“ Nein, wir brauchen Beides. Die Weisheit und die Lebenserfahrung der alt gewordenen. Den Pioniergeist und die Begeisterung der Jungen. Anders gesagt: Die Beweger brauchen die Bewahrer und die Bewahrer brauchen die Beweger. Das entscheidende Stichwort ist „Respekt“. Ich habe großen Respekt vor denen, die vor mir den Weg des Lebens und des Glaubens gegangen sind und von denen ich lernen darf. „Väter und Mütter in Christus“. Warum nur wollen das so Wenige sein? Aus Angst vor dem Anspruch? Ich habe auf der anderen  Seite  auch  großen  Respekt vor denen, denen Gott neue Visionen für die Gemeinde anvertraut hat.
 
Oft sind es die Jüngeren, weil sie noch offener sind für das Reden Gottes. Und nicht nur sagen: „Das  haben  wir  noch  nie  so  gemacht“. Jung und alt ist also nur bedingt am Lebensalter festzumachen. Ich kenne viele junge Alte und viel zu viele Junge, die viel zu früh alt geworden sind im Sinne von unflexibel, nicht mehr zu begeistern, festgelegt  und  festgefahren.  Sie  sind viel  zu  früh  „fertig“,  „vernünftig“ und „erwachsen“.Das  Alter  ehren – das  heißt  für mich: Respekt vor dem Lebensweg und der Lebensleistung eines Menschen  haben.  Das  Scheitern,  das auch zum Leben und zum Glauben gehört, anzuschauen, wie Christus es anschaut: mit liebevollen, barmherzigen Augen. Dankbar zu sein für die, die mich auf den Weg gebracht  haben:  Meine  Eltern  und meine  Großeltern.  Meine  Väter und Mütter in Christus.
 
Wenn ich mir die Biografien vieler Älterer auch in unserer Gemeinde anschaue, dann würde ich häufig den Hut ziehen, so ich einen hätte. Krieg, Vertreibung, Flucht, Neuanfang, Krankheit, Verlust von Partner und Kindern …. und viele haben das mit Gottes Hilfe gemeistert, ohne grundsätzlich resigniert, bitter und vom Leben enttäuscht zu sein. Danke für Euer Vorbild! Klar, es gibt auch Alte, denen das nicht geschenkt worden ist. Die in der Tat bitter und enttäuscht sind. Sie fühlen sich vom Leben betrogen.
 
Mit ihnen möchte ich gerne auf Spurensuche gehen, eine Spurensuche, die vielleicht auch ihre Optik verändern kann. Wo war der „Trotz-dem-Gott“ auch da in ihrem Leben? Ich bin sicher: wir werden da einiges finden, was das Lebensgefühl trotz allem noch einmal verändern kann. Was hat das alles mit der Gottesfurcht zu tun? Nun wir ehren Gott auch dafür, dass er die Schöpfung so weise eingerichtet hat. Mit dem Alter und den Alten hadern hieße auch  ihm  vorzuhalten,  dass  das keine so gute Idee war.
 
Die 20-40-20 Idee. 20 Jahre angewiesen auf Andere. 40  Jahren  Versorger  für  andere. Und dann noch mal 20 Jahre angewiesen auf Andere. Der Generationenvertrag Gottes, lange bevor die Rentenversicherung  ihn  entdeckt hat. Gemeinde aus Alt und  Jung. Das sind  wir.  Ich  wünsche  mir,  dass wir jetzt mehr denn je aufeinander angewiesen sind und miteinander sprechen. Jetzt, wo wir neu aufbrechen. Unsere Versammlungsräume einladend und zweckmäßig gestalten  wollen.  Uns  versammeln  um Christus, unsere Mitte, der uns eint – egal, aus welcher Generation wir stammen. Und nur in der Einheit sind wir in der Lage, etwas zu bewegen.
 
Und auch in der Frage der Ältesten- und  Gemeindeleitungswahlen, die wir in den nächsten Wochen vorhaben,  sollten  wir  die  Frage „jung und alt“ im Blick behalten. Ich wünsche mir eine Leitung, in der alle Generationen gut vertreten sind. Und auch das beziehe ich nicht  nur  aufs  Lebensalter,  sondern auf eine Haltung zum Leben und zum Glauben.Ich bin davon überzeugt, dass uns Gott auf die Spur setzt –auch und gerade in diesen Dingen.  Fragen  müssen  wir  ihn schon selbst – im Gebet und im Nachdenken. Gott segne uns in unserem Miteinander – versammelt  um Christus.
 
Euer Pastor Günter Mahler