Impuls April 2019

Impuls April 2019

Jesus spricht: „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ (Matthäus 28, 20)

 

Letzte Worte. Ihnen kommt immer eine große Bedeutung zu. Goethe soll auf seinem Sterbebett gesagt haben „Mehr Licht!“ Viele haben das interpretiert als eine Erkenntnis, die man eben auf der Schwelle vom Leben zum Tod erfährt. Von dort drüben leuchtet Licht ins Leben, das Licht der Ewigkeit, der Wahrheit, der Vollkommenheit. Witzbolde haben festgestellt, dass Goethe Sachse war. So könnte er gesagt haben „Mer liecht hier so unbequem“ oder auch “Mer liecht nix mehr am Läbn“. Vielleicht war es auch nur der Befehl an den Diener, die Fensterläden zu öffnen? Wir wissen es nicht und werden es auch nie herausfinden.

Von ganz anderer Qualität sind da die letzten Worte Jesu, die ja vorletzte sind. Laut dem Evangelienschreiber Matthäus hatte er seine Nachfolgerinnen und Nachfolger auf einen Berg bestellt, um ihnen sein Vermächtnis zu geben. Also auch uns. Sie – also auch wir – sollen in der Zwischenzeit, bis er sein letztes Wort spricht, die gute Nachricht verbreiten. Allen Völkern, allen Menschen. Und sie in dem unterweisen, was er uns beigebracht hat. Und sie taufen. Eigentlich eine Bitte, fruchtbar zu sein. Andere auch zu Jüngerinnen und Jüngern machen.

So sind wir seitdem unterwegs. In 2.000 Jahren Kirchengeschichte hat die Kirche Milliarden von Menschen zumindest eingeladen. Wie viele sie davon mit Zwang und Drohung vor dem Höllenfeuer in ihre Mauern gelockt hat, lassen wir einmal dahingestellt. Denn es hat nichts mit der Froh-Botschaft zu tun. Die Droh-Botschaft ist Jesu Sache nicht. Er will Menschen, die Gott aus ganzem Herzen und mit jeder Faser ihres Seins lieben. Andere folgen wer weiß wem nach, ihm jedenfalls nicht.

So sind wir auch in Reutlingen unterwegs. Wollen es auf jeden Fall sein. Und nicht immer gelingt uns das. Nicht immer ist die frohe Botschaft auch als solche zu erkennen. Vieles schleicht sich immer wieder ein in diese Botschaft von der unbedingten Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen und zu seiner ganzen Schöpfung. Wir sind noch nicht frei von Machtgelüsten und Gier nach einem bequemen Leben im Wohlstand, das uns nichts kostet. Aber wir bemühen uns. So lehren wir, so predigen wir, so taufen wir – an Ostern wieder einmal. Worüber ich mich ganz besonders freue ist, dass es uns gelungen ist, in jedem Jahr, in dem ich hier in Reutlingen Pastor bin und war, ein Tauffest zu feiern.

Nun sagt uns Jesus für diese Zwischenzeit nicht zu, dass es uns gut gehen wird. Dass er Unglück und Leid von uns fernhalten wird. Er sagt uns auch nicht, dass wir unseren Auftrag immer mit einem glückseligen Lächeln ausführen werden. Es wird uns auch gehen wie Jesus und den Propheten vor ihm. Wir werden auch verspottet werden, verlacht und verfolgt. Einige von uns sind auch gekreuzigt worden, weil sie sich zu ihm bekannt haben. Aber er hat uns etwas anderes versprochen: er wird nie weggehen. An jedem Tag – bis ans Ende der Welt wird er da sein. Uns nahe sein. Uns einhüllen in seine Liebe und seinen Frieden. Egal, was passiert.

Ich lese gerade die Bücher von Maja Lunde „Die Geschichte der Bienen“ und „Die Geschichte des Wassers“. Sehr eindrücklich wird uns dort geschildet, was passieren wird, wenn wir nicht anfangen, gegenzusteuern. Wir werden unseren Planeten unbewohnbar machen, wenn wir Monsanto, Bayer und Nestle weiter machen lassen. Wenn wir nicht zu den natürlichen Lebensbedingungen zurückkehren und wenn wir die Bevölkerungsexplosion nicht in den Griff bekommen.

Ein schwacher Trost? Dass Jesus an jedem Tag bis zum Untergang bei uns ist? Könnte man sagen, wenn man nur sein irdisches Leben im Fokus hat. Ein starker Trost, weil wir in diesem Monat nicht nur Taufe, sondern auch Karfreitag und Ostern feiern. Der Sieg des Lebens über den Tod. Aber nicht vorläufig, sondern endgültig. „Ist Christus nicht von den Toten auferstanden, dann sind wir die elendsten unter allen Geschöpfen“. Aber es ist ausgemacht: Jesus siegt. Sein letztes Wort hat die ganze Welt nach Hause geliebt. „Es ist vollbracht“.

Noch leben wir in der Zwischenzeit, in der Zeit der vorläufigen Worte.

Zwischen Himmel und Erde ist ein Riss und ein Kampf zwischen Licht und Finsternis

In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit.

Zwischen Himmel und Erde sind wir noch und das, was wir nicht wollen, tun wir doch

In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit.

Mitten in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt. Wir gehören zu dir und doch sind wir noch hier.

Zwischen Himmel und Erde hängst du dort. Ganz allein und verlassen von Mensch und Gott
zwischen Himmel und Erde ausgestreckt, dort am Kreuz.

Zwischen Himmel und Erde hängst du dort. Wo die Balken sich kreuzen, ist der Ort. Wo sich Himmel und Erde trifft in dir, dort am Kreuz. (Albert Frey)

Da hinein strahlt Ostern. „Mehr Licht“. Ostern ist der Vorschuss auf das letzte Wort Gottes und seines Christus. Das Alte vergeht – siehe, ich mache alles neu!

 

Eine besinnliche Karwoche und ausgelassen frohe Ostern!

 

Euer Pastor G. Mahler

Impuls März 2019

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein  ( 1.Samuel 7,3 )

 Interessant ist, es kurz darauf zu schauen, in welchem Kontext dieser Vers aus der Geschichte des Volkes Israel steht.Man hatte Krieg geführt gegen die Philister und eine schwere Niederlage erlitten. Es wurde daraufhin beschlossen, die Bundeslade aus Silo zu holen und diesmal mit ihr in die Schlacht zu ziehen. Die Lade sollte schützen und ihnen den ersehnten Sieg bringen. Obwohl sie tapfer kämpften, siegten allerdings die Philister und die Bundeslade wurde ihnen geraubt. Wie konnte das sein, dass Gott das zuließ? Nun- die Gründe dafür lagen auf der Hand, denn das Volk hatte sich schon länger von Gott abgewandt und ganz nach seinen eigenen Gedanken gelebt, sodass es für Gott in ihrem Leben fast keinen Raum mehr gab.Es vergingen 20 Jahre, in denen die Lade bei den Feinden blieb, bis Gott dafür sorgte, dass sie wieder nach Israel zurückkam.  In diesen 20 Jahren litt man sehr unter der Vorherrschaft der Philister und eine große Traurigkeit und Verzweiflung machte sich breit. Leidensvoll , hart und inhaltslos war ihr Leben geworden . Aber das schlimmste war, dass Gott sie offensichtlich verlassen hatte und sie keine Gemeinschaft mehr mit ihm haben konnten. Eigentlich hätte es ihnen klar sein müssen, warum Gott sie offenbar fallen gelassen hatte, denn Götzendienst hatte sich breit gemacht. Die Götzen der Philister, die Baale und Astarten, hatten mehr und mehr Gottes Platz in ihrem Leben eingenommen und das rief natürlich Gottes Zorn hervor.Am Ende dieser schlimmen 20 Jahre entstand dann aber doch wieder nach und nach eine neue große Sehnsucht nach Gott . Die  Frage jedoch war, wie konnten sie wieder zu ihm zurück kommen ? Hier nun kommt der Prophet  Samuel ins Spiel. Samuel ist Gottes Sprachrohr und er spricht zum ganzen Volk Israel die Botschaft Gottes :

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu und dient ihm allein, so wird er euch erretten aus der Hand der Philister und wie wir wissen, erkennt und bekennt das Volk tatsächlich seine Sünde, tut Buße und Gott schenkt ihnen in der nächsten Schlacht einen großen Sieg über die Philister.Wenn man  das Handeln des Volkes Israel betrachtet und das Ganze auf unser heutiges Leben überträgt,  dann kann man aus Gottes Plan mit seinem Volk, der Erneuerung, auch etwas für unser eigenes Leben erkennen.

Nämlich :   Buße / Rückkehr / Umkehr zu Gott ist eine Willensentscheidung :

Unser Gott ist ein Gott der Entscheidungen. Tatsächlich haben wir tagtäglich mancherlei Entscheidungen zu treffen. Manche sind einfach und leicht zu treffen, andere hingegen sind nicht so leicht, weil sie von großer Tragweite sein können.  Dazu gehören ganz besonders die Entscheidungen, zu denen uns Gott aufruft, und diese Entscheidungen kann uns niemand abnehmen, nur wir selber können sie treffen.

Hier nun ein paar Beispiele aus Gottes Wort, zu welchen Entscheidungen wir aufgerufen sind :

Wenn ihr meine Gebote haltet, dann bleibt ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe.

Wenn du mit deinem Munde bekennst, das Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott auferweckt hat von den Toten, dann wirst du gerettet werden.

Wenn mir jemand nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.

Wenn ihr den Menschen ihre Schuld vergebt, dann wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.

Es ließen sich noch weitere Beispiele anfügen. Wenn wir also erfahren wollen , was Gott  für uns in Jesus Christus bereit hält, dann erfordert das von uns eine Entscheidung. Wenn uns unser Verstand, unsere Emotionen und Gefühle sagen, dass wir eine Erneuerung unserer Beziehung zu Gott brauchen, dann brauchen wir dazu eine bewusste Entscheidung. Als erstes müssen wir allerdings die Dinge ablegen, die uns von Gott trennen.  Aber was sind die Götzen unserer heutigen Zeit ? Jemand hat einmal gesagt : Alles, was Gott von seinem Platz in unserem Herzen verdrängt und diesen Platz einnimmt, ist unser Götze.  Das kann heutzutage alles Mögliche sein : z.B. das Geld, der Erfolg im Beruf, das Hobby, der Computer, das Auto , u.v.m . Die Liste könnte man sicher noch erheblich erweitern. Wir sollten uns also genau prüfen, um die verborgenen Götzen in unserem Leben aufzudecken. In einer Andacht las ich kürzlich : Wofür man sein Geld ausgibt, wenn man knapp mit Geld ist; oder wenn man wenig Zeit hat, wofür man dann seine Zeit gebraucht, das ist dein Götze . Unser Gott wird uns bestimmt helfen, die verborgenen Götzen in unserem Leben zu erkennen und dann auch abzulegen.  Das wird er tun, wenn wir ihm vertrauen und unser Herz ganz auf ihn ausrichten.

Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein

( 1.Samuel 7,3 )

H.Schilitz

 

Gebetsstaffel 24/7

Gebetsstaffel 24/7

>> Direkt zur Online-Anmeldung für die Gebetstaffel

Liebe Beter!
Es ist wieder soweit: vom So. 24.02. – So. 03.03.2019 findet in unserer Gemeinde nun zum 9. Mal das 24-Stunden-Gebet über 7 Tage statt. Für eine Woche wird unser Bibelstundenraum in einen Gebetsraum verwandelt, in dem man an mehreren Stationen intensiv mit Gott in Kontakt treten kann.
Wir wollen einen Raum schaffen, in denen Menschen Gott begegnen können – und sich selbst.
Dieses Jahr steht die Gebetsstaffel unter dem Thema der Jahreslosung: Suche Frieden und jage ihm nach!

Wie und wo kann man sich anmelden?
Wie auch in den vergangenen Jahren möchten wir die Tage in Gebetsschichten einteilen. Man kann im Bibelstundenraum oder von zu Hause aus beten – alleine oder zu zweit, oder zu mehreren (z.B. Hauskreis). Um eine Schicht zu belegen, kann man sich über folgende Webseite anmelden:

>> Online-Anmeldung für die Gebetstaffel

Wie finde ich den Zugang zum Bibelstundenraum?
Über den Eingang Frankonenweg. Wir werden, wie jedes Jahr, den Raum über den Türcode absichern und geben euch diesen Code vor eurer Schicht z.B. telefonisch oder über SMS durch.
Für unsere Beter zu Hause und auch im Gebetsraum wird wieder ein Heft als Leitfaden zusammengestellt, in dem die einzelnen Stationen beschrieben werden.
>> Download Gebetsheft 

Diese Gebetsstationen erwarten Euch:
Ankommen: – Das Herzensgebet
Ausdrucksmalerei
Entlastungsstation – Das Kreuz und persönliche Fürbitte
Klage- und Dankmauer
Der Psalm 23 als Bodenbild – Beten mit Psalmworten
Suche den Frieden und jage ihm nach – Jahreslosung
Vom Lobgesang zur Anbetung
Einer trage des anderen Last – Fürbitte für die Welt
Bibelworte – Wir schreiben gemeinsam einen Teil der Bibel ab
Gottes Wort für unsere Stadt
Kaffee oder Tee trinken mit Gott
s’Wunderbüchle
Kreativstation zum Thema Frieden

Die erste Gebetsschicht wird am Sonntag um 12:00 Uhr nach dem Gottesdienst starten, damit wir eine Woche später alle gemeinsam die Gebetswoche mit einem gemeinsamen Gottesdienst beenden können.
Vor der Gebetswoche wird es Gelegenheit geben, den Raum anzusehen. Während der Gebetszeiten bitten wir darum, die Beter nicht zu stören und die Türen geschlossen zu lassen. Nach dem Abschlussgottesdienst der Gebetswoche räumen wir den Raum sehr schnell auf, damit er wieder zur freien Verfügung steht.
Helfer zum Abbau sind willkommen!

Beten bringt Segen – für andere und für dich selbst. Das haben in den vergangenen Jahren viele von uns erfahren. Wir laden herzlich ein, eine Verabredung mit Gott festzumachen, ER erwartet dich. Wir wünschen dir/euch gute Erfahrungen bei diesem Treffen.

Für das Vorbereitungsteam 24/7
Elisabeth B.

Impuls Februar 2019

Monatsspruch:Römer 8, 18: „Denn ich meine, dass die Leiden der jetzigen Zeit in keinem Verhältnis stehen zur Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“

Mit dem Römerbrief ist uns die tiefste Wahrheit der Erlösung für alle gegeben. Es ist lohnend sich die Zeit zu nehmen und nach diesem „Schatz“ zu graben, denn es geht zutiefst um den Grund legenden Ernst der Christusoffenbarung.In Kap. 8 zeigt Paulus auf, wie das Leben der Kinder Göttes geistig und geistlich durchdrungen wird. Dies ist da möglich, wo der Mensch den Heilszuspruch erfährt und I h m glaubt. Das Leben entfaltet sich, indem Jesus hineinkommt. Der Mensch muss sich jetzt nicht mehr auf sich selbst beziehen, also selbstherrlich leben, was Paulus das „Leben im Fleisch“ nennt. Das ist das Leben im Geist, wenn Gött selber, in Jesus, in eine persönliche Beziehung zu Dir und mir tritt und wir zu Ihm. Paulus spricht weiter in Vers 18 von den Leiden in dieser Zeit, die in keinem Verhältnis stehen zur Herrlichkeit, die an uns öffenbart werden soll. Das Leiden dieser Zeit ist vergänglich und deswegen löhnt es nicht länger traurig zu sein. Denn die Herrlichkeit Gottes, die an uns sichtbar werden wird, ist unsere Zukunft.Was ist das mit der Herrlichkeit Gottes?

Er, der Ewige, kömmt nicht nur ins Menschsein, söndern nimmt es mit aller Schuld, allem Leid und Dunkel an sich. Er, das Heil, geht ins Kaputte, Zerrissene hinein, wö Er nicht hingehört und macht es durch! S O ist Er Herr. Er liebt und dient, als Gottes Knecht, Dir, mir und der ganzen Welt. Erbärmlich endet Er am Kreuz und damit bleibt Er döch der Herr. Für die Menschheit und auch für mich selbst, kein ansehnlicher Hergott nach irdischen Vörstellungen, der so daherkommt. Genau darin aber besteht das Geheimnis Seiner Herrlichkeit. Der Lebendige, Ewige stirbt meinen und Deinen Töd und damit trägt Er die Schuld weg. So haben wir, Du und ich, einen Gott, der die menschlichen Abgründe kennt, durchschritten hat und sich erbarmt.

Ihm will ich glauben, dass Er mich zurechtbringt in allem Straucheln und Elend des Zerisses zwischen meinem Tun und Glauben. An meinem Lebensende ist Er auch immer noch da. Dieses Heilswerk hat Er völlbracht. In Ihm kann ich mich bergen. Das macht mein Leben hell und fröh!

Es grüßt Euch herzlich Evelyn Hildebrandt

Impuls Dezember 2018

Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut (Matth. 2, 10)

Menschen sind unterwegs. Sie folgen ihren Träumen, sie lassen sich von ihrer Sehnsucht leiten. Sie sind aufgebrochen, irgendwo. Sie haben etwas gehört. Sie haben etwas gespürt. Sie haben eine Ahnung, mehr nicht. Eine Ahnung, dass es möglich sein könnte, ganz anders zu leben. Eine Ahnung, dass die Kriege enden. Dass die Erde schön würde. Dass die Menschen einander lieben und nicht hassen. Dass alles neu würde?

Diese Sehnsucht lässt sie aufbrechen. Sie wissen noch gar nicht, wohin sie gehen würden. Sie folgen einfach den Wegzeichen, die sie leiten.

Israel brach auf aus der Gefangenschaft. Ein gelobtes Land war ihr Wegweiser. Ein Land, in dem sie in Frieden und Freiheit leben könnten. Wo der Frondienst zu Ende wäre und sie von den Früchten des Landes und ihrer Hände Arbeit leben könnten. Am Tag leitet sie eine Wolkensäule und in der Nacht eine Feuersäule. Sie folgen ihrer Sehnsucht. Auch dann, als die Wegweiser sie mitten durchs Wasser und in die Wüste führen.

Die sogenannten Heiligen Drei Könige, von denen wir nicht genau wissen, wer sie waren und was ihre Besonderheit war – Sterndeuter – Wahrsager – Zukunftsforscher – Sinnsucher, sie brachen auf, um die Zukunft zu finden. Das Leben. Die Freiheit. Die Weite. Den Sinn. Sie brachen auf aus der Enge des Zweistromlandes, weil sie gehört hatten, dass ein Kind geboren war. Ein König? Auf jeden Fall etwas Besonderes. Hoffnung auf bessere, neue Zeiten.

Menschen fliehen vor den staubtrockenen Böden und den Stammeskriegen. Sie gehen nach Norden. Wo sie landen werden, wissen sie noch nicht. Sie haben nur gehört, dass es dort, über dem Meer, ein Land gibt, in dem es Arbeit gibt. Und Brot. Und Zukunft für sie und ihre Kinder. Sie müssen durch die Wüste gehen und durch das Wasser. Viele von ihnen schaffen es nicht. Sie verhungern. Ertrinken. Fallen üblen Banditen in die Hände. Obwohl sie auch diese Geschichten gehört haben, gehen sie. Klettern über den Grenzzaun, der Afrika von Europa trennt. Sie wissen um die Gefahr für Leib und Leben.

Was ist die Alternative? Für Israel war es das Bleiben in der Sklaverei. Für die Sinnsucher war es das Bleiben in den engen Grenzen der toten Gottheiten im Zweistromland. Für die Afrikaner lautet die Alternative: Tod. Keine Zukunft. Ende.

Eine Gemeinde bricht auf. Aus der Sicherheit des Gewohnten in die Unsicherheit des neuen Landes. Das Terrain kennen sie wohl. In Reutlingen und Umgebung sind sie schon lange unterwegs. Und trotzdem soll nicht nur das Gemeindehaus neu werden sondern auch die Gemeinde und die Menschen. Die Menschen sollen erfahren, dass im neuen Land alles neu werden kann. Und alles gut wird. Vor allen Dingen: die Menschen in der Gemeinde wollen neu denken und neu glauben lernen. Heraus aus dem gewohnten Trott. Aus den Mauern der Einsamkeit. Aus dem satten Einerlei. Hinein in das Abenteuerland der Nachfolge.

Als sie sich aufgemacht hatten, die Menschen, da gesellten sich zu den Träumen und Sehnsüchten nach einer besseren Welt die Zweifel. Was wäre, wenn sie in der Wüste umkommen würden? Was wäre, wenn sie von einem Irrlicht geleitet worden wären und sie im Nirgendwo enden würden? Was wäre, wenn sie im Mittelmeer jämmerlich ersaufen oder auf dem Grenzzaun verbluten würden? Was wäre, wenn uns die Puste ausgeht und wir den Neubau nicht stemmen und die Erneuerung der Gemeinde ein Hirngespinst bleiben würde?

Ach, wären wir doch nur bei den Fleischtöpfen Ägyptens geblieben! Unfrei, aber satt. Ach wären wir doch nur als geachtete Wissenschaftlicher in Mesopotamien geblieben! In der Enge, aber die gibt ja auch Sicherheit! Ach, wären wir nur in Somalia geblieben. Vielleicht hätten wir den Krieg überlebt und die Dürre hört irgendwann auf. Ach hätten wir nur unser altes Gemeindehaus ein bisschen renoviert! Wäre zwar eng und trostlos geblieben, aber wir hatten ja einander und es war kuschelig.

Und mitten hinein in diese trost-losen Gedanken knallt es hinein wie ein Feuerwerk: „Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut“. Weil sie gezeigt bekamen: Das Ziel lohnt den Weg. Das Ziel lohnt den Einsatz des Lebens. Der Stern – das war die Feuersäule und die Wolkensäule. Der Stern – das war das Zeichen für den Messias. Der Stern – das war die Grenzöffnung 2015 durch Angela Merkel. Der Stern – das ist der Beweis: Nicht wir sind unterwegs zu Gott – Gott ist unterwegs zu den Menschen. Nicht wir müssen ihn finden – er hat uns längst gefunden. Der Stern, das Kind in der Krippe, der Mann am Kreuz und der auferstandene Christus – er selbst ist der Beweis: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns. Um uns als Leuchtspur Gottes den Weg zu zeigen. Wir dürfen folgen – in großem Vertrauen, dass am Ende des Regenbogens das gelobte Land liegt.

Kanaan – die neue Welt Gottes – ein Leben mit Perspektive und Zukunft – das Reich Gottes.

„Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut“. Ich wünsche uns allen erhobene Häupter, dass wir den Stern sehen und in die unbändige Freude hineingeführt werden, die Weihnachten uns bescheren will: Gott ist bei uns. Und die Zukunft ist aufgeschlossen. Auf ein gutes, gesegnetes neues Jahr, in dem wir den Spaten ansetzen werden und neues Land entdecken und erobern.

Gott segne uns alle.

Euer Pastor Günter Mahler