Impuls August

Impuls August

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“  Ps. 139, 14

Wer bin ich?

Zwei Studenten der Philosophie  verlassen nach längerem Zechen eine Kneipe. Sie haben diskutiert, miteinander geredet und treten hinaus in die kühle Nacht. Und wie das so geht, bricht aus dem einen heraus: „Wer bin ich? Wer bin ich und wenn ja,  wie viele?“

Überraschend, erstaunlich. Bin ich nicht einfach ich? Sind wir jeweils mehrere? Aufgeteilt, aufgesplittert, zerrissen in unterschiedliche Personenanteile?

Die Frage hat was: wenn ja, wie viele? Der Philosoph Richard D. Precht hat das erzählt und ein heiter lesenswertes Buch darüber geschrieben.

Wir alle kennen uns ja leidlich und merken an uns, wie wir agieren und reagieren. In unterschiedlichen  Begegnungen und Situationen sind wir mal so oder so. Oder kennen unsere unterschiedlichen Gesichter: Freundlich, zornig, wütend, liebevoll, zuvorkommend, sachlich, geduldig, respektvoll, dominierend, zurückhaltend, begrenzt, zufrieden/unzufrieden, rechthaberisch, tolerant,……  .

Im Blick auf sich und auch auf andere macht das ja manchmal ganz schön verzagt: oh Mann/Frau, schon wieder! Oder stolz, was für ein toller Kerl/Kerlin  sind wir doch!

In unserem Psalmtext entdeckt der Schreiber in einem Hymnus seine Palette an inneren und äußeren Regungen. Er adressiert sie an EINEN, seinen Gott und Herrn. Der Schreiber buchstabiert sein Inneres in der Gegenwart Gottes, seinen Leib, seine Seele und seinen Geist.

Wie gehen wir mit uns selber um? Kriegen wir das (manchmal) hin uns selber mit unseren Stärken und Begrenzungen Gott ehrlich hinzuhalten?

Der Psalmist erfährt sich selber als ein durch und durch von Gott erkannter und zugleich behüteter Mensch. Er kann vertrauen, selbst dann, wenn er sich auf Abwegen befindet. Gott bringt mich auf den ewigen Weg zurück.

Mich begleitet seit längerer Zeit ein  Gebet von Romano Guardini, kath. Theologieprofessor und Religionsphilosoph.

„Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand.

Das ist meine Wahrheit und meine Freude.

Immerfort blickt mich dein Auge freundlich an, und ich lebe aus deinem Blick, du mein Schöpfer und mein Heil.

Lass mich in der Stille deiner Gegenwart das Geheimnis meines Lebens verstehen: dass ich bin.

Dass ich bin durch dich und vor dir und für dich.“

Wenn das so ist, dass ich mein Leben aus seiner Hand empfangen habe und empfange, dann kann ich für mich alle die tollen und die weniger tollen Seiten mit IHM in Einklang bringen, in Einklang bringen lassen und das auch für andere so sehen, sehen lernen.

Wenn das so ist, ER schaut mich freundlich an, dann gibt es immer weniger Grund auch mit mir und anderen unfreundlich zu sein.

Da entsteht in der Stille seiner Gegenwart Neues, neues Sehen, Wahrnehmen und  Verstehen.

Euch allen eine gute Zeit und bleibt gesund im August.

Peter Knobloch

 

Impuls Juli

Impuls Juli

Krisen gehören dazu

Unser Leben ist nicht perfekt, auch wenn wir uns dies manchmal wünschen. Wir erleben gerade, wie ein kleines Virus plötzlich alles durcheinanderbringt. Es macht wieder einmal deutlich: Krisen gehören zu unserem Leben dazu. Die Bibel verschweigt das nicht.

Der Gottesmann Elia zum Beispiel erleidet eine schwere Depression (1. Kn. 19,1ff). Heute sprechen wir von Burn-out. Und das nach seinem bisher größten Erfolg! Gravierender kann der Gegensatz nicht sein. Eben noch auf dem Berg Karmel stand Gott ihm zur Seite. Elia allein gegen 450 Baalspriester (1. Kn 18,19ff). Der alte Glaube muss schließlich wiederhergestellt werden: Recht, Ordnung und Gottesgehorsam. Doch jetzt fürchtet der Mann Gottes um sein Leben. Königin Isebel ist eine schlechte Verliererin und will ihn aus Rache töten. Aus Angst um sein Leben flieht Elia in die Wüste. Was kann er schon allein gegen die königliche Macht ausrichten?

Elias Erfahrung ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Krise erfahren und durchstanden werden kann. Sie beginnt damit, dass sich die Ausgangslage grundlegend verändert hat. Das gewohnte Leben ist durcheinandergeraten – und oft auch unser bisheriger Glaube. Denn meist steht zu Beginn nur fest: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Alte Methoden und Rezepte helfen nicht mehr weiter. Allerdings erkennen wir den neuen Weg noch nicht.Während Elia in der Wüste seines Lebens mit seinem Latein am Ende ist, erfährt er Gott auf neue, ja bisher unbekannte Weise. Statt Vorhaltungen zu machen, schickt Gott ihm einen Engel, um den Gottesmann zu stärken. Später begegnet Elia Gott selbst – und erfährt den HERRN als Gott der leisen Töne und zarten Berührung. Dazwischen liegt ein langer Weg: 40 Tage. Krisen lassen sich nicht im Handumdrehen lösen. Sie kosten Kraft und benötigen Zeit.

Der erste Schritt zur Lösung beginnt damit, dass wir uns bewegen und auf die Suche machen. Und dass wir offen aussprechen, wie es uns gerade geht. Das dürfen wir von den Menschen in der Bibel lernen. Die Psalmen oder Propheten nehmen dabei kein Blatt vor dem Mund, wenn sie Gott ihr Leid klagen. In einer Krise müssen oft alte Gottesbilder zerbrechen, damit ein neuer Aufbruch gelingen kann. Damit der Glaube geweitet werden, wachsen kann. Nach der neuen Gotteserfahrung am Horeb erhält Elia eine neue Beauftragung. Gottes Werk geht weiter – mit Elia und darüber hinaus. Denn er erfährt: Weit mehr Menschen haben sich dem Fruchtbarkeitsglauben widersetzt. Über 7.000 Personen. Elia ist nicht, wie er bisher glaubte, alleine unterwegs.

Wir meinen, über uns und unsere Zeit Bescheid zu wissen. Doch unsere menschliche Perspektive ist oft eingeschränkt. Gott ermöglicht mehr. Er beauftragt Menschen, die krisenanfällig sind. Er benötigt keine perfekten Mitarbeiter. Krisen ermöglichen neue Perspektiven und tiefgehende Erfahrungen. Die Vergangenheit behält keine Macht über uns. Neues ist möglich, ja dürfen wir entdecken. In einer Krise lernen wir uns intensiver kennen. Und in ihr dürfen wir auch Gott erfahren. Mitten in der Krise gibt er sich neu zu erkennen. Er hält zu uns. Er berührt uns, stärkt uns. Er stellt uns Menschen an die Seite, Begleiter, Engel: Ein stärkendes Wort, eine berührende Tat zur richtigen Zeit.

Elia hat eine neue Beauftragung bekommen und sie auch angenommen. Was ist dein Auftrag? Wie sollst du deinen Weg weitergehen? Welche Stärkung benötigst du gerade? Wem kannst Du ein Engel, ein behutsamer Begleiter auf Zeit werden?

Holger Gohla

 

Impuls Juni

Impuls Juni

Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.   1.Könige 8, 39

Die Einweihung des Tempels zu Jerusalem ist voll im Gange. Und König Salomo, der diesen errichten ließ, betet. Seine Gedanken, sein innerstes Wahrnehmen, ist   g a n z   auf Gott ausgerichtet.  I H M   soll der Aufwand dienen. Aber was ist wohl   d a s   H e r z ,  von dem Salomo weiß, dass Gott alleine es von allen Menschen kennt? Für die Hebräer ist das Herz Sitz der Seele, das Unvergängliche – wie wir später sagen. Diese Aussage steht also für unsere „Seelenverfasstheit“. Und weshalb wird das Herz so vielfach umdacht, hinterfragt? Da werden Herzen verschenkt, versprochen, gebrochen, verloren, gestohlen, besiegt, erfüllt, versiegelt… und so viel mehr. Wie viele Lieder singen wir, wo das Herz besungen, beklagt, bedauert, gerühmt, gefordert wird… Herz und Herz vereint zusammen – aber auch Herzilein, du musst nicht traurig sein… Alle Welt nutzt, benutzt und vernutzt das Herz! Folge Deinem Herzen….

Gott alleine aber ist   h e r z l i c h   uns zugetan! Das lesen wir als trostvoll. ER alleine kennt uns durch und durch. Tiefste Gedanken, Beweggründe und Ausdrucksweisen des Menschen   k e n n t    nur Gott allein. Auch wir erkennen nie das wahre Herz des Anderen. Und wenn uns da etwas „schief“ vorkommt im Umgang, Erleben und Erfahren eines Mitmenschen, dann dürfen, sollen wir diesen Menschen und die Angelegenheit vor Gott tragen – fürbittend – denn Gott weiß um das Herz des Einzelnen! Mit dem Herzen/der Seele loben, anbeten, rühmen, sehnen, verachten, beurteilen, verurteilen, urteilen… alle Menschen. Bevor man etwas ausspricht, handelt, weiß Gott, was die Absicht dahinter ist. Oft kann der Mensch seine eigentliche „Herzenssache“ nicht richtig darlegen. Er wird anders verstanden, gelesen, als er verstanden oder gelesen sein wollte. Des Menschen Tun bringt Ergebnisse, die ihn und andere unfroh sein lassen – gut gemeint ist nicht gut gemacht – wie weh das dann tut…  wenn man bewertet und nicht erkannt ist. Nein, egal ist uns die Wertung der Menschen nicht. Aber trostvoll ist dies Wissen: Ja, Gott kennt unser Innerstes –unser Wollen, unser Sehnen –unsere Hoffnung –unsere Freude –unsere echte Kraft –unsere wahre Liebe. ER ist GOTT! Und gerecht in allem, was ER an uns tut. Und ER alleine kann unsere Herzensanliegen so gelingen lassen, dass diese vor IHM recht werden und in ihrer Wirkung nach außen Gutes entsteht. ER weiß mehr als wir je verstehen und wissen: denn sein Blick ist Liebe – liebevoll ehrlich und wahr! Wo es wichtig und richtig ist, kann ER verändern. Bleibt mit Gott dem Vater durch Jesus Christus dem Sohn im Gespräch – so werdet ihr Weisung und Weisheit, Wissen und Wahrheit erhalten können!

Salomo weiß, dass von nun an an diesem Ort gebetet werden wird und so können wir seine Worte als Hilfestellung für Betende, Handelnde, Denkende, für Weise und Unkluge, für Bedürftige und Satte lesen:  D u  G o t t,  u n s e r  G O T T  – mit Dir wollen wir Gemeinschaft – schau unser Herz an!

Nehmen wir dies mit: Gott sieht an! Denn ER alleine kann Herzen verändern und das Trachten des Herzens berühren.

Eine wundervolle Sommerzeit, die wir schon ahnen können, wünsche ich herzlich

Eure Regina Wardin

 

 

Impuls Mai

Impuls Mai

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!      Petrus 4, 10

Vier Jungen spielten an einem See. Mitten in ihrem übermütigen Spiel fällt einer von ihnen ins Wasser. Er droht zu ertrinken. Aber der größte Junge von den Vieren kann seinen Freund schließlich aus dem Wasser ziehen und retten. Als sie später alle gefragt werden, was sie getan haben, sagt der erste: „Ich bin unglücklich ins Wasser gefallen!” Der zweite antwortet: „Ich habe ihn wieder herausgezogen!” Der dritte Junge sagt: „Ich habe den großen Jungen festgehalten, damit er bei der Rettung nicht auch noch ins Wasser rutschte!” Und der Kleinste schließlich sagt: „Ich habe laut geschrien!”

Alle vier Personen kommen in einer Gemeinde vor. Einer fällt in eine Not, Schwierigkeit oder Schuld. Es ist müßig, sich darüber zu unterhalten, wie das geschehen konnte. Er muss herausgezogen werden. Da ist der Starke, der seine Kräfte einsetzt, zupackt und hilft. Da ist der andere, der im Hintergrund steht und durch seine Gebete und Ermutigung dem Tätigen beisteht. Und schließlich ist noch einer da, der einfach schreit, wenn irgendwo Not oder Elend geschieht, damit andere darauf aufmerksam werden. In der Gemeinde sind sie alle zusammen.

Diese kleine Geschichte aus einem Andachtsbuch von Axel Kühner erschließt einem sehr eindrücklich, was unser Monatsspruch zum Ausdruck bringen möchte.

Bedauerlicherweise ist es so, dass so manche besondere Gabe unerkannt und ungenutzt verkümmert. Immer wieder begegnet man nämlich Menschen, die absolut davon überzeugt sind, dass Gott sie wohl bei der Verteilung der Gaben übersehen habe.

Sie glauben, dass nicht jeder, sondern nur einige wenige, besondere Menschen, eine Gabe empfangen haben. Nun, wenn dem so wäre, dann hätte Petrus in seinem Brief ganz sicher anders formuliert. Denn dann müsste es eigentlich heißen: „Diejenigen, die eine Gabe empfangen haben, die dienen bitte einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes!“

So steht es aber nicht in Gottes Wort und deshalb dürfen wir fest davon ausgehen, dass jeder Mensch mindestens eine und manche sogar mehrere Gaben geschenkt bekamen.  Unser Gott ist kein ärmlicher Gott. Er gibt reichlich und überschwänglich, er liebt die bunte, ja schier unfassbare Vielfalt.

Über 7 Milliarden Menschen bevölkern diese Erde und keiner gleicht dem anderen. Alle sind wir als einzigartige Originale geschaffen, unverwechselbar und jeder sehr besonders. Ich bin immer wieder fasziniert darüber, dass nicht zwei Menschen auf dieser Welt denselben Fingerabdruck haben.

Und das alles betrifft nur das Äußerliche. Die einzigartige Mischung von Gaben und Fähigkeiten, die zu einer Person gehört, macht jeden zu einem kostbaren Original. Diesen Reichtum der Gnade Gottes, den sollten wir unbedingt zur Entfaltung bringen, denn es ist eine Menge in uns hineingelegt.

Es sind Gaben unterschiedlichster Art, die Gott uns Menschen schenkt.  Manche sind sehr auffällig:

– die Fähigkeit zu lehren und zu leiten

– die Gabe Krankheiten zu heilen

– die Gabe der Zungenrede und deren Deutung

– die Gabe der Unterscheidung der Geister

– besondere technische und kreative Fähigkeiten

– Andere sind dagegen weniger auffällig, aber keineswegs weniger bedeutsam

– Die Fähigkeit das richtige Wort zur richtigen Zeit sagen zu können

– Die Gabe Menschen treu nachzugehen, Kontakt zu halten und den Draht nicht abreißen zu lassen

– Die Begabung, in bestimmten Situationen genau zu wissen, was jetzt dran ist

– Die Fähigkeit, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohlfühlt

– Die Gabe immer ein offenes Ohr für die Sorgen anderer zu haben

Und auch das sind nur einige der vielfältigen Gaben Gottes. In bestimmten Situationen sind es gerade diese weniger auffälligen Gaben, die am dringendsten gebraucht werden und deshalb so besonders wertvoll sind.

Der Reichtum der Gnade Gottes, aus dem wir leben dürfen, verpflichtet uns, nicht als Egoisten durchs Leben zu gehen, sondern uns für andere einzusetzen und ihnen mit dem, was uns als Gabe geschenkt ist, zu dienen. So sollen wir Gott die Ehre geben.

Hartmut Schilitz

 

 

Impuls April

Impuls April

Monatsspruch April 2020:

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich    1. Korinther 15, 42

Den Monatsspruch kennen wir für gewöhnlich aus der Bestattungs-Liturgie am Grab einer verstorbenen Person. Dort wird jemand wieder der Erde übergeben, aus der er einst von Gott zum Leben geformt und belebt wurde. Das Wort „verweslich“ erinnert uns dann an die eigene Vergänglichkeit. Schon ein wenig eigentümlich, dass der Apostel Paulus diesen Gedanken an den der Aussaat anknüpft; als ob der Leichnam wie ein Samenkorn in die Erde gelegt wird, nur um zu neuem Leben auszutreiben. Und genau das meint er sogar, denn er spricht gleich darauf von der Wiederauferstehung, dann jedoch ohne den Vergänglichkeits-Faktor. Das Leben nach dem Tod ist eben nicht mehr den Gesetzen der Natur unterworfen, sondern eine Existenz ganz in Gottes Gegenwart: unsterblich bzw. ewig, das heißt zeitlos.

Wünschen wir uns manchmal, dass etwas ewig bestehen bleibt? Zum Beispiel ein Haus: Solange es gebaut wird, denken wir bereits an all die schönen Möglichkeiten, die es einem eröffnet. Jeder weiß, dass ein Haus auch Pflege braucht, weil es sonst verfällt. Aber solange es neu ist, verdrängt man diesen Gedanken leicht. Gesät bzw. gebaut wird nämlich immer zum Leben; das ist es, woran man denkt und auch denken sollte. Denn wer weiß schon, wie lange es hält? Also nutzen wir die Zeit, die uns mit dem Bauwerk bleibt bzw. zum Leben gegeben ist. Und doch wissen wir, und sollten auch niemals vergessen: Irgendwann endet dieses Glück, das man sich selbst erschaffen hat. So nagt nun einmal der Zahn der Zeit.

Dramatisch sind deswegen all die ungenutzten Möglichkeiten. Wenn Samenkörner im Vorrat verkümmern, Lebensmittel vergammeln, Eintrittskarten und Gutscheine verfallen … nicht-gelebtes Leben. Hier stirbt etwas, das eine andere Bestimmung hatte. Und nichts geht daraus hervor. Schade. – Ganz anders mit den Samenkörnern, die ausgesät werden: Auch sie sterben gewissermaßen im Erdboden, aber nur, um anschließend eine wunderschöne Pflanze hervorzubringen. Mit diesem Beispiel deutet Jesus (in Johannes 12, 24) an, was sein Tod bewirken wird: Zugang zu dem neuen, von Gott verherrlichten Leben.

Das Sterben Jesu am Kreuz war genau deswegen nicht nutzlos: Gott ist diesen Weg ganz bewusst gegangen, so wie ein Samenkorn bewusst ausgesät wird. Und ausgesät wird immer zum Leben. Als der Mensch Jesus ins Grab gelegt wurde, hat der Triumphzug des Gottessohnes seinen Höhepunkt erreicht: Durch seinen Tod wurde neues Leben gegeben; er hat die Verwesung nicht gesehen – übrigens ein Kernstück der urchristlichen Predigten, sowohl von Petrus als auch Paulus (Apg. 2 und 13). Die ganze Dramatik in der Passionszeit ist nötig, erstens: damit wir sehen, dass Gott zu allem fähig ist, sogar zum Leiden; und zweitens: weil nur auferstandenes Leben in die Ewigkeit führt. Der Kreislauf von Saat und Ernte kommt in der Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu seinem Ende. Das ist Ewigkeit.

Solange die Erde besteht, wird dieser Kreislauf nicht enden. Das hat Gott schon dem Noah versprochen. Es ist nämlich ein Segen, wenn die Aussaat auch Frucht bringt. Und es gehört unbedingt dazu, dass das Saatgut stirbt. Nur so wird neues Leben möglich. Dann darf auch eine gewisse Zeit zu Ende gehen, z.B. die Zeit eines Gebäudes. Auch dahinein spricht der Schöpfer seinen Segen: Es wird etwas Neues wachsen – seht ihr es denn nicht? (Jes. 43, 9)

Darum sagen die Engel am leeren Grab zu den Frauen voller Nachdruck: Seid nicht ängstlich (Mt. 28), entsetzt euch nicht (Mk. 16). Das sind nicht nur Trostworte, sondern geradezu Ermahnung: Hängt nicht an dem Vergänglichen, auch nicht an dem Menschen Jesus! Sondern geht vielmehr los und begegnet dem Auferstandenen Christus! Er lebt schon das neue und ewige Leben, zu dem auch ihr bestimmt seid. Und er hört nicht auf, zu säen.

 

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht

Pastor Daniel Meisinger

 

 

Impuls März

Impuls März

Jesus spricht: Wachet!

Markus 13, 37

Wachsam sein – achtgeben – aufmerksam sein – eine wichtige Fähigkeit, die wir schon von klein an erlernen.

Vermutlich jedes Kind hat von den Eltern den Satz gehört: „Gib Acht, wenn du die Straße überquerst!“,  die Lehrer in der Schule ermahnen zur Aufmerksamkeit und auch als Erwachsene brauchen wir die Fähigkeit wachsam und aufmerksam zu sein in vielerlei Hinsicht, um unser Leben gestalten und bewältigen zu können.

Im Markusevangelium lesen wir, dass Jesus seinen Jüngern ebenso diese Aufforderung mit auf den Weg gibt. Er redet mit ihnen über das Ende der Zeiten und fordert sie auf, seine Wiederkunft wachsam zu erwarten.

 „Wachet!“ gilt also auch uns heute!?

Was bedeutet das heute für uns, wachsam zu sein? Schauen wir aufmerksam hin oder verschlafen wir womöglich bedeutsame Entwicklungen in unserer Welt? Lassen wir uns wachrütteln von den vielen jungen Menschen, die auf die Straße gehen und uns an die Bewahrung der Schöpfung erinnern? Blicken wir wachsam auf das, was in unserer Gesellschaft vor sich geht? Hier tun sich gerade Tendenzen auf, die schon einmal in der Vergangenheit verschlafen wurden – mit furchtbaren Folgen.

Gehen wir mit wachem Blick durch den Tag? Wir sind ja immer beschäftigt, kümmern uns um tausend Dinge und gemessen an unserem hohen Aktivitätspensum müssten wir eigentlich ständig hellwach sein. Aber am Ende des Tages bemerken wir manchmal, dass wir nur ganz Weniges bewusst wahrgenommen haben, stattdessen Vieles an uns „vorbei-gerauscht“ ist.

Unser Alltag mit der Fülle an Aufgaben und Anforderungen- sei es in Schule, Beruf, in Familie und Beziehungen- ist oft schon anstrengend genug, uns müde zu machen. Wenn dann noch Krankheit oder Trauer oder persönliche Schwierigkeiten dazu kommen, fordern diese unsere Aufmerksamkeit oft so sehr, dass wir es schlichtweg nicht „packen“, auch noch auf Belange oder Personen in unserem Umfeld achtzugeben.

„Wachet!“ Woher die Kraft nehmen um wach und wachsam zu bleiben?

Jesus hat während seiner Zeit auf der Erde manchen Tag und manche Nacht wachend und betend verbracht, hat die Gegenwart des Vaters gesucht um neue Kraft zu schöpfen, um sich über seinen Weg klar zu werden, um sein Herz auszuschütten, um innige Gemeinschaft mit dem Vater zu haben… In Gethsemane sagt Jesus zu seinen Jüngern mehrmals “wachet und betet“.

Gehören wachen und beten zusammen?

Im Beten nehme ich etwas anderes in den Blick als mich selbst. Mein Blick geht weg von mir, hin zu Gott, der mich ansieht und mit mir redet. Im Beten erfahre ich seinen Zuspruch „Ich bin da“. Darin fühle ich mich geborgen und kann dann den Blick von meinen eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten loslassen, weg von meinem Unvermögen und meinen Enttäuschungen, die mich kraftlos und müde machen.

Damit sind die müde-machenden Dinge des (Alltags-)Lebens nicht weggenommen, aber ich bekomme eine neue Perspektive auf sie. Ich gewinne Zuversicht, weil ich spüre, da wacht Einer mit und über mir. Ich werde aufmerksam auf Gottes Möglichkeiten und auf sein hilfreiches Eingreifen. Und ich entdecke dankbar Momente und Begegnungen mit anderen – wachsamen – Menschen, durch die ER mich mit seiner Fürsorge, Zuwendung und Liebe beschenkt. Und ich werde – hoffentlich – immer wacher für die Nöte und Bedürfnisse der Menschen um mich.

Rita Kamenowski-Bucher