Impuls Januar

Liebt eure Feinde!

Liebe Geschwister,

wir alle konnten und können es bereits seit längerem beobachten: die Welt spaltet sich (mal wieder)! Die internationale Gemeinschaft ist an vielen Stellen brüchig, Abkommen werden gekündigt, Vereinbarungen missachtet, Staaten bauen Mauern, errichten neue Grenzzäune und führen (Wirtschafts-)Kriege gegeneinander, der politische Egoismus nimmt zu. Gesellschaften (wie in den USA, aber auch in Europa, in Deutschland) polarisieren sich, es bilden sich Lager, Parteiungen, Fronten verhärten sich. Man schottet sich (wieder) voneinander ab. Unterstellungen, Schuldzuweisungen und Hassbotschaften grassieren. (Neue) Feindbilder werden errichtet und gepflegt. Das Misstrauen wächst, und mit ihm die Bereitschaft zur Gewalt. Der Ton wird rauer, Sprache fängt (wieder) an zu lügen. Man sucht (wieder) Halt und Bestätigung v.a. in den eigenen Verbänden. Fremdes, Andersartigkeit wird als Bedrohung empfunden. (Neues) Aufeinander-Zugehen, Respekt auf der Beziehungsebene, die Bereitschaft wirklich zuzuhören und zu verstehen… werden selten. Man begegnet sich nicht mehr, sondern klagt (wieder) an, Gerichte kommen mit Fallbearbeitungen kaum hinterher.

Und was ist mit uns Christen als „Salz der Erde“? Mit der Einheit des Leibes Christi, der Gemeinde? Geht uns auch in der Kirche die „gemeinsame Mitte“, das Mit-einander verloren?

Die Jahreslosung für 2021 kommt in diesem Kontext auf uns zu wie Jesus den Jüngern auf dem See Genezareth! Sie ist definitiv der Schritt aufs Wasser! Der Auszug aus Ägypten! Das Heraustreten aus der christlichen Komfortzone! Hier hört das Wohlfühl-Christentum definitiv auf! Am Anfang der „Bergpredigt“ bei Lukas hören wir:

„Euch aber, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen! Segnet, die euch fluchen! Und betet für die, die euch beleidigen! … Liebt eure Feinde und tut Gutes, ohne etwas dafür zu erhoffen! So wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein! Denn ER ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lk. 6, 27. 35f)

Wir haben bereits davon gehört: Hier geht´s absolut ans Eingemachte! Und wir müssen dabei unverblümt feststellen: Dazu sind wir aus eigener Kraft überhaupt nicht in der Lage. Keiner von uns.

Weil wir nicht der VATER sind! Wir sind nicht Jesus!

Aber gleichzeitig werden wir dadurch genau an das Wesen, an das Geheimnis unseres Glaubens erinnert, das ja eben darin besteht: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!“ (2. Kor 5, 17)

Und Jesus spricht: „An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.“ (Joh. 14, 20) Und: „Wer meine Gebote festhält und sie tut, der ist es, der mich liebt…“ (14, 21)

Genau das gilt also für uns, was Paulus auch im Römerbrief schreibt: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem! … Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden! … denn es steht geschrieben: … ‚Wenn dein Feind Hunger hat, so gib ihm zu essen; wenn er Durst hat, dann gib ihm zu trinken! Wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln‘ (Spr. 25, 21f). Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute!“ (Röm. 12, 17 – 21)

Jesus hat nicht weniger als genau das getan, und „erweist seine Liebe zu uns darin, dass ER für uns gestorben ist als wir noch Sünder waren!“ (Röm. 5, 8)

Liebt eure Feinde! – Unabhängig von Christus für uns alle eine Unmöglichkeit. Aber im Glauben der Inbegriff des neuen Lebens!

Denn: „Darin besteht die Liebe – nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass ER uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat, um uns mit sich selbst zu versöhnen.“ (1. Joh. 4, 10; 2. Kor 5, 19) Und so „lieben WIR…, weil ER uns zuerst geliebt hat!“ (1. Joh. 4, 19)

Herzlich euer Lukas Gebauer

 

Impuls Dezember

Impuls Dezember

Entzieh´ dich nicht deinem eigenen Fleisch und Blut!

Liebe Geschwister,

es ist wieder soweit: Adventszeit! Weihnachten steht vor der Tür! Was löst das bei uns aus? Was macht das mit uns? Fängt es da in unseren Herzen wieder geheimnisvoll warm an zu knistern, wenn wir an die Lieblichkeit und Schönheit von Weihnachten denken? – Oder beginnt jetzt wieder eine leidige Zeit, mit (trotz Corona) zunehmendem Trubel, Stress und Erwartungen von allen Seiten? – Oder werden uns auf einmal die Gegensätze von arm und reich, geliebt aufgehoben und einsam allein, von glücklich und elend unter uns, in unserer Gesellschaft, in der Welt wieder einmal neu bewusst? Und wir fragen uns wie wir eigentlich so feiern können, während andere sich wünschen, diese Zeit würde gar nicht erst kommen bzw. wäre bereits wieder vorbei?

Was will Weihnachten, Advent, der Beginn des neuen Kirchenjahres? Was wollen wir? Was will bei uns neu werden? Oder bleibt doch alles beim Alten? Was will sich wandeln in unserem Leben, wohin führt uns unsere jetzt besonders große Sehnsucht nach Liebe, Frieden und Glück? Sollen wir uns kasteien, Besinnung, Enthaltsamkeit und Verzicht üben in dieser Fastenzeit?

Ein geistliches Kontrastprogramm auflegen? – Oder sollen wir uns umso mehr noch engagieren, spenden, wohltätig werden, uns einbringen, helfen in der Familie, in der Gemeinde, in der Nachbarschaft?

Weihnachten, das Fest der Liebe. Wir kommen aus diesen Spannungen, diesen Fragen nicht heraus. Sollen wir auch gar nicht. – Wozu bewegt uns Weihnachten?

Der Monatsspruch für Dezember kommt uns da ganz klar, ganz einfach und ganz schwierig zugleich entgegen. Er steht bei Jesaja in einem Zusammenhang, wo der Prophet das Volk aufmerksam machen will zu gucken wie es aussieht: hinzuschauen, wo das Leben nicht stimmig ist, wo der Glaube, der Gottesdienst, die geistlichen Übungen nicht zum Rest des Lebens passen. Jesaja will die Leute – modern ausgedrückt – zu wirklich „gelebter Spiritualität“ bewegen. Dahin, dass sich die Beziehung zu Gott „einfach“ in den Beziehungen zu den Mitmenschen aus-lebt und umgekehrt.

„Seht, an eurem Fastentag geht ihr euren Geschäften nach und treibt alle eure Arbeiter an! Siehe, ihr fastet, um zu zanken und zu streiten…; ihr fastet nicht so, dass euer Rufen in der Höhe Erhörung finden könnte. Meint ihr, dass mir ein solches Fasten gefällt, wenn der Mensch sich selbst einen Tag lang quält und seinen Kopf hängen lässt wie ein Schilfhalm…? … Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: dass ihr ungerechte Fesseln, die Knoten des Joches löst und die Unterdrückten freilasst? Besteht es nicht darin, dass du dem Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte in dein Haus führst, und wenn du einen nackt siehst, ihn kleidest und dich deinem eigenen Fleisch und Blut nicht entziehst? – Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird rasch voranschreiten; deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deine Nachhut sein! Dann wirst du rufen, und der HERR wird antworten: ‚Hier bin ich‘! Wenn du das Joch aus deiner Mitte wegtust, das Fingerzeigen und das unheilvolle Reden; … dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag!“ (Jes. 58, 3b – 10)

Licht wird aufgehen in der Finsternis – ein weihnachtliches Bild. Aber mehr noch: Heilung, Befreiung, Frieden-Machen, gutes Reden, sich kümmern und sorgen um den andern, sich dem eigenen Fleisch und Blut nicht entziehen! Damit wird es (wieder) hell! Kommt das Leben!

Ist das die Art und Weise, wie es auch unter uns (wieder) neu Weihnachten werden will? Die Gerechtigkeit Gottes will offenbar werden, wirklich werden unter uns: indem wir aufeinander achten, indem wir einander „einfach“ gerecht werden, uns kümmern lassen, indem wir erkennen: der andere ist mein eigen Fleisch und Blut. Wie es im Doppelgebot der Liebe heißt:

„Du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ (5. Mose 6, 5)

Und: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst = er ist wie du!“ (3. Mose 19, 18)

Herzlich euer Lukas Gebauer

 

 

 

Impuls November

Impuls November

Liebe Gemeinde,

unser Monatsspruch steht in Jeremia 31, 9:

„Mit Weinen kommen sie und ich führe sie unter Flehen. …“

Oh ja, das kennen wir dieses Jahr. Ich denke, dass jede und jeder dieses Jahr mal geweint oder Gott angefleht hat und wir alle zu Gott gebetet haben: Bitte, lieber Gott, lass den Corona-Virus verschwinden und gibt uns unsere Normalität wieder…

– das wird wohl noch dauern.

copyright by Thomas MärzMich hat der erste Halbsatz besonders angesprochen: „Mit Weinen kommen sie…“. Sie kommen und wenden sich zu Gott!

Haben wir das auch getan in der letzten Zeit? Gehen wir mit unseren Fragen und Nöten zu IHM? Lassen wir GOTT auch Zeit uns zu antworten? Oder versuchen wir doch wieder alles allein in die Hand zu nehmen?!

Ich habe GOTT in diesem Jahr sehr intensiv in mein Leben mit einbezogen. Er hat mir Kraft in meinen Krankheitsphasen gegeben und sich meine vielen Fragen und Zweifel angehört. Auf alles hat er mir noch keine Antwort gegeben, aber er hat mir innerliche Ruhe geschenkt – ich kann warten.

Carl Eichhorn (1810 – 1890) sagt dazu:

„Nur innerlich gebeugte und zerbrochene Seelen kann der Herr leiten. Dann fließen Tränen und dann beginnt auch erst das rechte Beten. Zuvor betet der Mensch sich selbst an. Nun erwartet er nichts mehr von sich, sondern alles vom Herrn. Nun kann auch der große Hirte der Schafe ihn bei der Hand nehmen und leiten. Aus dem innersten Herzen kommt dann die Bitte!“

Ja, denn unser Vers geht noch weiter:

„Ich will sie zu Wasserflüssen führen auf einem ebenen Weg, auf dem sie nicht straucheln werden!“

Das wünsche ich Euch:

dass Ihr Euch leiten lasst von Gott

dass Ihr Euren inneren Frieden

findet mit Eurem Weg

dass Eure Fragen von IHM beantwortet werden und dass wir, als Gemeinde, uns in allen Belangen zu den Wasserquellen der Stärkung führen lassen, damit GOTT uns den Weg zeigen kann.

Herzliche Grüße

Andrea Kebernick-Schill

 

Impuls Oktober

Suchet der Stadt Bestes und Betet für sie zum Herrn;

denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl

Jeremia 29,7

 

Liebe Gemeinde,

da stehen sie an der Dorfeinfahrt in der Mitte vom Kreisverkehr und arbeiten an den Blumenbeeten. Jeder von ihnen hat eine orangefarbene Baseballkappe auf. Klar, so sieht man sie besser. Als ich in den kleinen französischen Ort in der Provence rein fahre, entdecke ich die orangenen Baseballkappen überall. Auf dem kleinen Marktplatz, in manchen Nebenstraßen, vor der Kirche. Die Menschen unter den orangenen Kappen sind beschäftigt. Sie tragen Säcke, schieben Schubkarren und hantieren mit Hacke und Spaten in Beeten herum.

Sieht bunt und fröhlich aus. Eine Stunde später sitzen wir in einem Straßencafé mit Croissant und Kaffee. Am Nebentisch sitzt ein älterer Herr und auf dem Tisch liegt auch so eine orangefarbene Kappe. Dank meiner französischsprechenden Begleitung frage ich ihn, was es mit den Menschen und den Kappen auf sich hat. Er lacht. „Wir machen unser Dorf schöner. Dieses Wochenende sind alle Blumenbeete dran. Vor 2 Wochen haben wir den Schulhof und den Spielplatz auf Vordermann gebracht und wir haben noch viele Ideen, was gemacht werden kann. Nach jeder Aktion gibt es natürlich ein Fest“, lacht er, bevor er aufsteht, um weiter zu machen. „Die Hauptsache ist aber“, sagt er im Gehen, „dass wir uns in unserem Dorf wohlfühlen, wir wohnen ja hier.“

Bei dem Monatsvers fiel mir diese Geschichte wieder ein. Menschen engagieren sich, weil es der Platz ist, wo sie gerade wohnen. Wenn es dem Dorf oder der Stadt gut geht, dann geht es auch ihnen gut. „Suchet der Stadt Bestes“, sagt Gott durch seinen Propheten Jeremia. Es war mal wieder Kriegszustand in Israel und ein Teil des Volkes lebte in der Verbannung. Für sie ist der Satz eine Weisung von Gott. Klar wollten die meisten von ihnen so schnell wie möglich wieder zurück. Aber Gott sagt, so schnell wird es nicht gehen. 70 Jahre wird die Verbannung dauern. Da lohnt es sich schon, sich zu engagieren. Und es hat auch einen Nutzen für sie selbst. Wer nur auf gepackten Koffern lebt, wird auf die Dauer nicht glücklich.

Neben dem Engagement soll aber auch das Gebet nicht fehlen. Für die Menschen in der Stadt. Für die, die etwas zu sagen haben. Für das Miteinander von Einheimischen und Verbannten. Gott hat sein Volk im Alten Testament öfter mal in die Verbannung geschickt. Sehr oft haben sie Gott gelobt und ihn im Tempel angebetet. Aber genauso oft haben sie sich von ihm abgewendet und sich lieber mit anderen Dingen und Göttern beschäftigt. Obwohl Gott darüber traurig und zornig wurde, hat er sein Volk nicht wirklich im Stich gelassen. Auch in der Verbannung gab es tröstende und mutmachende Worte durch seine Propheten. Gott ist seinem Volk treu geblieben.

Weil das noch nicht ganz ausreichte, hat er zur Krönung noch seinen Sohn Jesus Christus auf diese Welt gesandt. Damit alle Menschen in allen Länder Gottes Güte und Vergebung und Liebe erleben dürfen. Das betrifft auch uns heute 2020 in Reutlingen. Gott steht zu uns, egal in welcher Lebenssituation wir uns befinden.  Wenn es unserer Stadt gut geht, wird es auch uns gut gehen. Wenn wir für die Menschen in unserer Stadt, in unserem Umfeld ein Segen sind, so werden auch wir gesegnet.

Wo können wir uns nun engagieren? Spontan fällt mir das Nähcafé ein. Mitten in der Stadt können Menschen in einen Laden kommen zum Reden, zum Nähen lernen. Hier werden sie ernst genommen. An diesem Ort wird zugehört, wenn sie ihre Geschichte erzählen. Vor Jahren gab es die Teestube mitten in der Stadt. Auch ein Platz wo Menschen am Samstag hingehen konnten. In der Holzwerkstatt wurde arbeitslosen Menschen geholfen. Oder der Sprachunterricht, den jahrelang Menschen aus unserer Gemeinde angeboten haben. Menschen die nicht so gut Deutsch konnten, weil sie Fremde in diesem Land waren, konnten mit kreativen Methoden Deutsch lernen. Damit bekamen sie ein wenig Selbstbewusstsein und Anerkennung. Jetzt zu Corona-Zeiten helfen manche anderen beim Einkaufen, damit sie nicht in die Enge der Stadt gehen müssen.

Für die Stadt beten geht immer. Zu Hause oder in der Gemeinde, beim Frühgebet oder in den Gottesdiensten. Suchet der Stadt Bestes heißt aber nicht: Ich, Gott, habe einen Plan und den müsst ihr umsetzen. Nein, unsere Kreativität ist gefragt. Dabei muss es nicht die große Nummer sein, mit der wir in der nächsten Woche im Reutlinger GEA erscheinen. Viele kleine Dinge können helfen unsere Stadt so schön zu machen, dass wir gerne hier leben.

Wie immer fängt alles mit einem ersten Schritt an. Da werden dann manche unmöglich scheinenden Ideen dann doch möglich. Wir müssen einfach nur anfangen. Ich bin mir sicher, dass Gott uns dabei segnet. Als Einzelne und als Gemeinde.

Auf der Rückfahrt von meinem Urlaub habe ich in einem ganz anderen Ort wieder Menschen gesehen, die eine orangefarbene Kappe trugen. Auch sie arbeiteten daran, dass ihre Stadt schöner wird. Es waren die Jungs von der Müllabfuhr.

Michel Schütze

 

Impuls September

„Lasst Euch versöhnen mit Gott!“

Liebe Geschwister,

mitten in dieser Sommerzeit, in dieser Ferienzeit, in dieser Auszeit, gefühlt „zwischen den Jahren“, zwischen dem alten und dem neuen Schuljahr, nach dem Hochsommer und mit Ausblick schon Richtung Herbst kommt es uns wieder unglaublich wesentlich entgegen: sein Wort, offenbart Gott uns wieder neu sein tiefstes Wesen, spricht sein bedingungsloses Entgegenkommen uns an! Paulus hat es selbst am eigenen Leib erfahren:

„Das alles aber kommt von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; denn Gott war in Christus die Welt mit sich selbst versöhnend, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete, sondern unter uns aufgerichtet hat das Wort von der Versöhnung.“ (2. Kor. 5, 18f) Sodass: „wir nun Botschafter für Christus sind, indem Gott selbst durch uns den Ruf ergehen lässt: ‚Werdet versöhnt mit Gott!‘“ (V. 20)

Was für ein Text! So viel Versöhnung auf so kleinem Raum! Nirgendwo sonst im Neuen Testament, in der Bibel ist so dicht von Versöhnung die Rede wie in diesen wenigen Versen! „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“, heißt ein altbekanntes Sprichwort. Was uns bewegt, drängt sich uns förmlich auf: Es muss ausgesprochen werden. „Ich kann nicht schweigen von dem, was du getan hast.“ So ergeht es Paulus spürbar in diesem Abschnitt:

„Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind…“(V. 14)

Paulus hat es selbst erlebt, in einer unglaublichen Art und Weise. Gott hat ihn höchst persönlich mit sich selbst versöhnt, einen neuen Menschen aus ihm gemacht! Als er mitten dabei war, das genaue Gegenteil zu tun, auf einem Verfolgungsritt hinter der jungen Gemeinde Jesu Christi her – da passiert auf einmal das Unglaubliche: Gott selbst, Jesus Christus stellt sich ihm in den Weg – völlig gewaltlos, eine Erscheinung, eine Stimme: „Saul, Saul, was tust du da? Warum verfolgst du mich? – Ich bin Jesus, den du verfolgst!“ (vgl. Apg. 9) Wow! Das wirkt! Eine scheinbar harmlose Anrede genügt, um sein Leben völlig zu verändern! Keine Vorwürfe! Keine Standpauke! Keine Strafe! Kein „wenn du nicht, dann…“!

Die bloße Begegnung mit Gott, mit Jesus reicht aus: und nichts bleibt wie es war! „Ist jemand in Christus, ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden!“, beschreibt Paulus seine eigene Erfahrung mitten in diesem Abschnitt (2. Kor. 5, 17). Die bloße Begegnung mit Jesus, mit Gott reicht aus: und Paulus fällt buchstäblich vom Stuhl! Was ihn geritten hat, verliert sofort seine Macht! Sein Leben erfährt eine völlig neue Aus-Richtung! Er wird gerichtet, wieder auf-gerichtet, und neu aus-gerichtet! Und reitet fortan unter einer neuen Flagge.

NICHTS hat er dazu beigetragen, im Gegenteil: er hatte sogar dagegen gearbeitet! Aber Gott selbst, die bloße wahrhaftige Begegnung mit IHM hat einen neuen Menschen aus ihm gemacht: „Das ALLES aber kommt von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus…“ Und seither kann Paulus gar nicht mehr anders als gedrängt von der bedingungslosen, aber folgenreichen Liebe Christi als Diener der Versöhnung von Herzen das Wort von der Versöhnung zu verkündigen: „Werdet versöhnt mit Gott!“

Wusstet ihr, liebe Geschwister, dass da tatsächlich Passiv steht?! Ja, im griechischen Urtext steht da Passiv! Kein Appell! Keine Aufforderung! Kein Angebot, das wir von uns aus annehmen müssten oder ablehnen könnten! NICHTS können wir zu unserer Versöhnung beitragen! – Die bloße Begegnung mit Gott, die bloße Anrede Jesu genügt: und wir können nicht widerstehen, wir werden mit Gott versöhnt! Die Liebe des Vaters, seine Gegenwart ist für seine Kinder unwiderstehlich! Unglaublich attraktiv: an-ziehend! Wo es passiert, da passiert ER! Wo nicht, da nicht.

Mögen wir immer wieder neu diese Erfahrung machen, die Begegnung mit der sanftesten und gleichzeitig stärksten Verwandlungsmacht im Universum: der LIEBE GOTTES!

„Ins Wasser fällt ein Stein ganz heimlich, still und leise. Und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise. Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt, da wirkt sie fort in Tat und Wort hinaus in unsere Welt!

Ein Funke kaum zu seh´n, entfacht doch helle Flammen. Und die im Dunkeln steh´n, die ruft der Schein zusammen. Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt, da wird die Welt vom Licht erhellt, da bleibt nichts, was uns trennt!“

Herzlich euer Lukas Gebauer

 

Impuls August

Impuls August

„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“  Ps. 139, 14

Wer bin ich?

Zwei Studenten der Philosophie  verlassen nach längerem Zechen eine Kneipe. Sie haben diskutiert, miteinander geredet und treten hinaus in die kühle Nacht. Und wie das so geht, bricht aus dem einen heraus: „Wer bin ich? Wer bin ich und wenn ja,  wie viele?“

Überraschend, erstaunlich. Bin ich nicht einfach ich? Sind wir jeweils mehrere? Aufgeteilt, aufgesplittert, zerrissen in unterschiedliche Personenanteile?

Die Frage hat was: wenn ja, wie viele? Der Philosoph Richard D. Precht hat das erzählt und ein heiter lesenswertes Buch darüber geschrieben.

Wir alle kennen uns ja leidlich und merken an uns, wie wir agieren und reagieren. In unterschiedlichen  Begegnungen und Situationen sind wir mal so oder so. Oder kennen unsere unterschiedlichen Gesichter: Freundlich, zornig, wütend, liebevoll, zuvorkommend, sachlich, geduldig, respektvoll, dominierend, zurückhaltend, begrenzt, zufrieden/unzufrieden, rechthaberisch, tolerant,……  .

Im Blick auf sich und auch auf andere macht das ja manchmal ganz schön verzagt: oh Mann/Frau, schon wieder! Oder stolz, was für ein toller Kerl/Kerlin  sind wir doch!

In unserem Psalmtext entdeckt der Schreiber in einem Hymnus seine Palette an inneren und äußeren Regungen. Er adressiert sie an EINEN, seinen Gott und Herrn. Der Schreiber buchstabiert sein Inneres in der Gegenwart Gottes, seinen Leib, seine Seele und seinen Geist.

Wie gehen wir mit uns selber um? Kriegen wir das (manchmal) hin uns selber mit unseren Stärken und Begrenzungen Gott ehrlich hinzuhalten?

Der Psalmist erfährt sich selber als ein durch und durch von Gott erkannter und zugleich behüteter Mensch. Er kann vertrauen, selbst dann, wenn er sich auf Abwegen befindet. Gott bringt mich auf den ewigen Weg zurück.

Mich begleitet seit längerer Zeit ein  Gebet von Romano Guardini, kath. Theologieprofessor und Religionsphilosoph.

„Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand.

Das ist meine Wahrheit und meine Freude.

Immerfort blickt mich dein Auge freundlich an, und ich lebe aus deinem Blick, du mein Schöpfer und mein Heil.

Lass mich in der Stille deiner Gegenwart das Geheimnis meines Lebens verstehen: dass ich bin.

Dass ich bin durch dich und vor dir und für dich.“

Wenn das so ist, dass ich mein Leben aus seiner Hand empfangen habe und empfange, dann kann ich für mich alle die tollen und die weniger tollen Seiten mit IHM in Einklang bringen, in Einklang bringen lassen und das auch für andere so sehen, sehen lernen.

Wenn das so ist, ER schaut mich freundlich an, dann gibt es immer weniger Grund auch mit mir und anderen unfreundlich zu sein.

Da entsteht in der Stille seiner Gegenwart Neues, neues Sehen, Wahrnehmen und  Verstehen.

Euch allen eine gute Zeit und bleibt gesund im August.

Peter Knobloch