Impuls August/September 2018

Monatsspruch August:

Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat: Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

  1. Johannesbrief, Kapitel 4, Vers 16

Monatsspruch September:

Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Kohelet 4, 11

Liebe Gemeinde,

dieses Mosaik geht über 2 Monate und so gibt es zwei Monatssprüche – zwei wunderbare Worte aus der Bibel, bei denen es sich wirklich lohnt, sie in ihrem Kontext zu lesen! Und: diese beiden Worte, die aus unterschiedlichen Epochen stammen und ganz unterschiedlichen Situationen entsprangen, haben etwas miteinander zu tun.Für mich war es in den letzten Jahren immer wieder faszinierend, gewerkschaftliche Seminare zu Themen des Betriebsverfassungsrechts zu halten. Im gewerkschaftlichen Rahmen sind Christen nicht allzu häufig anzutreffen. Um so erstaunlicher, dass fast an jedem Seminar Abend die Sprache auf Gott kam. Großes Staunen – der Referent gehört zu den Frommen! Und gerade die Kolleginnen oder Kollegen, die vehement Gott leugneten, kamen immer wieder auf ihn zu sprechen. Eine wunderbare Gelegenheit Zeugnis von IHM und seiner Liebe abzulegen.

Der ehrenamtliche Richterkollege von der Arbeitgeberseite fragte mich nach meiner Vereidigung, wie ein moderner Mensch denn immer noch die religiöse Eidesformel sprechen könne „so wahr mir Gott helfe“. Ich habe ihm erklärt, dass ich als Christ die Verantwortung im Richteramt sehr ernst nehme und Gottes Hilfe vor jedem Verhandlungstag erbitte. „Dass es so etwas noch gibt, hätte ich nicht gedacht. Ich habe keinen Glauben, aber das beeindruckt mich und macht mich nachdenklich.“

Der Anruf kam überraschend: „Sag mal, hast Du am Sonntag frei? Würdest Du mit mir zum Motorradfahrergottesdienst fahren? Ich möchte da gerne noch einmal hin!“ Mein Kollege hatte mir erzählt, dass er mit Gott und Kirche so gar nichts anfangen könne. Letztes Jahr war er dann zum ersten Mal mitgefahren „weil ich mir das anschauen muss!“ Ja und dann hat er sich nach dem Gottesdienst eine „Bikerbibel“ gekauft, in der er regelmäßig liest. In einem Nebensatz begründet Kohelet (der Prediger) die tiefe Sehnsucht des Menschen nach Gott: „auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt“. Der vergängliche Mensch hat etwas in seinem Herzen, das aus der Dimension Gottes stammt – die Ewigkeit. Und diese Ewigkeit lässt ihm keine Ruhe. Sie bringt ihn immer wieder dazu, nach dem zu suchen, der ewig ist. Kohelet beschreibt, was der Mensch nicht begreifen kann: alles hat seine Zeit (wir kennen die Aufzählung – wenn nicht, lohnt es sich diese nachzulesen!). Alles hat Gott für den Menschen wunderbar gemacht – nur dieser sterbliche, vergängliche Mensch kann das Werk des ewigen Gottes nicht verstehen. Kennen wir das als Christen nicht auch, wenn wir lasch werden, wenn wir Gott den guten alten Mann sein lassen, der eigentlich nichts mit uns und unserem Leben zu tun hat?    Oder wenn unsere Beziehung zu Jesus an einem Tiefpunkt angelangt ist. Werden wir dann nicht von unserem Herz auf die Suche geschickt? Was verbindet uns denn mit diesem Gott? Die Antwort aus dem 1. Johannesbrief lautet: die Liebe!

„Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ Die Liebe ist die Verbindung zu Gott, dem Ewigen. Der Kirchenvater Augustinus formulierte es so: „Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in DIR.“ Wer die Liebe Gottes annimmt und in seinem Leben behält, dessen Herz hat Ruhe gefunden in der Ewigkeit, die in unsere Zeit hinein strahlt. Ferien, Urlaub, Freizeit – Zeit, der Sehnsucht unseres Herzens nach der Ewigkeit Raum zu geben. Damit wir mit Gottes Liebe und mit einer festen Verbindung zu seiner Ewigkeit unseren Alltag in Schule, Beruf, oder in welcher Lebenssituation wir auch immer sind, bewältigen können.

Joachim Schenk

 

Impuls Juli 2018

Monatslosung Juli 2018

„Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maß der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN  zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!“ Hosea 10, 12

„Das ist aber ungerecht, ich habe den ganzen Tag gearbeitet und bekomme den gleichen Lohn wie jener, der mal ‘ne schlappe Stunde gewerkelt hat!“ Da denken wir genauso wie die Arbeiter in der Gleichniserzählung Jesu. Möchte euch ein wenig teilhaben lassen, was mir alles so durch den Sinn ging mit diesem Text.

Was ist Gerechtigkeit, mag frau/man sich fragen in Anlehnung an Pilatus‘ Satz: „Was ist Wahrheit?“ als er Jesus im Verhör nach seinem Reich und seiner Königswürde befragte. Sprach‘s und ging hinaus zum Volk, weigerte sich ein Urteil zu fällen, wo er doch keine Schuld an Jesus gefunden hatte. Er überließ es den Leuten, dem bereits rasenden Mob, die Entscheidung über Tod und Leben Jesu zu treffen. Er hat sich auch geweigert in Beziehung zu Jesus zu treten. Er konnte nicht begreifen, dass Jesus die Beziehung zu Gott neu ermöglichte: Jesu Wahrheit ist es, den barmherzigen, liebenden Vater zu bezeugen. Kann man Wahrheit auf Ehrlichkeit reduzieren? Nein, aber sie ist ein Teil davon. In erster Linie geht es biblisch um das Bezeugen des barmherzigen, liebenden und lebendigen Gottes. Seine Versöhnung mit uns Menschen. Der Geist der Wahrheit erschließt uns diese Liebes- und Lebenswirklichkeit. Eine neue Beziehungsgeschichte wird real zwischen dem lebendigen Gott und dir/mir. Kehren wir zurück zu unserem Ausgangstext mit der Aufforderung Gerechtigkeit zu säen. Im Alten Testament wird Gerechtigkeit grundsätzlich weniger als juristischer Begriff verwendet; eine ausgleichende Gerechtigkeit: hier Verfehlung – da entsprechende Strafe. Was Gott will und wollte ist „Ich möchte mit euch in eine persönliche, liebevolle Beziehung treten.“ So verstanden ist Gerechtigkeit immer eine „Beziehungsgerechtigkeit“, eine rechte Beziehung. Damit ließe sich unser obiger Hosea  – Text  so schreiben:

„Kümmert euch um gute Beziehungen (untereinander) und fragt nicht danach, was ihr dabei gewinnt! (Die Liebe fragt nicht nach sich, ist nicht eitel,…..) Seid immer wieder diejenigen, die zuerst anfangen – ohne Vorleistungen der anderen.“ Wie geht das? Ich schaff es nicht. Manchmal vielleicht. „Suchet den Herrn“ will heißen, lasst euch beschenken. Von IHM beschenken lassen, das schafft immer wieder neue  Beziehung zu IHM, zu sich selber und zum anderen. Und eines Tages wird das Beziehungschaos aufhören, wenn ER gesunde und lebendige Beziehungen wie Starkregen ausschütten wird.

Bis dahin sind wir gemeinsam unterwegs. Eine frohe und beziehungsreiche Ferienzeit wünsche ich euch allen.

Euer Peter Knobloch

Maiwanderung JEF’ler

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!

Auf dem Parkplatz am Übersberg startete die Maiwanderung der JEFler trotz der sehr kühlen Temperaturen mit 12 gut gelaunten Wanderern. Die Regenjacken brauchten wir allerdings den ganzen Tag nicht. Wie schön! Die Tour führte uns über den Mädlesfelsen und die Elisenhütte zum Ursulahochberg. Auf dem Rückweg schauten wir fasziniert den Fliegern am Segelfluggelände zu bevor es zum Grillen auf die Eninger Weide ging, wo noch zwei Familien zu unserer Gruppe dazu stießen. Es war schön, endlich mal wieder etwas gemeinsam zu unternehmen, Gemeinschaft zu erleben, sich am Feuer zu wärmen, Würstchen (und ganz wichtig: Marshmallows!) zu grillen und Geschwister, die neu zu uns stoßen, besser kennen zu lernen, als man das nach dem Gottesdienst tun kann.

Es ist immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich unsere Gruppe ist: Es sind ganz verschiedene Altersgruppen der Gemeinde vertreten. Manche sind erfahrene „Profigriller“, andere müssen sich in die schwäbische Kultur erst noch einfinden. Manche empfanden die Tour als Spaziergang und die Schlucht nur als „Schlüchtchen“, andere kamen doch immer wieder ins Schnaufen.
So herausfordernd die Vielfalt bei den Planungen manchmal ist, so sehr kann man sie doch immer wieder auch schätzen, wenn dann schließlich über 20 ganz verschiedene Menschen fröhlich lachend und ganz bunt gemischt über die Alb ziehen oder um ein Lagerfeuer sitzen und sich aneinander freuen. Kann man auf den Bildern sehen, oder?

Hannah Weller

 

Impuls Juni 2018

Gastfreundschaft für den Weltfrieden

Als der Tübinger katholische Theologe Hans Küng sein Projekt „Weltethos“ Ende des vergangenen Jahrhunderts ins Leben rief, habe ich ein interessantes Projekt als Journalist begleitet. Der Weltethos mietete in den österreichischen Alpen drei Berghütten: für junge Juden eine, für junge Muslime eine und für junge Christen eine. Am Vorabend des Schabbat fackelten die jüdischen Jugendlichen unglücklicherweise ihre Hütte ab. Es stellte sich die Frage: Wohin gehen sie und bitten um Asyl? Was vermutet ihr? Sie gingen in der Tat nicht zu den Christen, sondern zum aktuellen Erzfeind, den Muslimen. Begründung: Bei den Christen müssen wir erst langwierige theologische und ideologische Diskussionen absolvieren, bevor wir miteinander essen.Bei den sprichwörtlich gastfreundlichen Muslimen werden wir zuerst miteinander essen und trinken. „Vergesst die Gastfreundschaft nicht…“ mahnt uns der Schreiber des Hebräerbriefes.

Das trifft mich hart. Zumal in der heutigen Zeit, in der auch die Baptistengemeinden ihr vornehmstes Privileg immer mehr vernachlässigen. Früher haben wir wie selbstverständlich unsere Häuser geöffnet für Gäste und auch für Fremde. Jesus ist in die Häuser gegangen und hat mit den unterschiedlichsten Sündern und denen, die sich für Gerechte hielten, gegessen und getrunken und er hat sich so den zweifelhaften Rufs eines Fressers und Weinsäufers eingehandelt.

Aber das war es ihm wert, weil er wusste, dass es schon immer eine „Theologie des gemeinsamen Essens“ gab, die schließlich im Liebes- und Abendmahl mündete. „Engel beherbergt?“ Wer von uns hat das schon? Ganz viele – nur sie wussten es oft nicht! Engel sind in der Regel inkognito unterwegs. Zum Engel sind mir schon sehr viele Gäste geworden, die an unserem Esstisch (max. 12 Personen, wenn’s nicht reicht, wird angebaut…) Platz genommen haben. Und richtig kräftig gegessen und getrunken haben. Tischgemeinschaft als Grundlage für geistig-geistliche Gemeinschaft über alle religiösen, gesellschaftlichen und kulturellen Grenzen hinweg.

Früher bin ich in keine Gemeinde als Gast gekommen, ohne dass eine oder mehrere Einladungen zum Mittagessen rausgesprungen sind. In den letzten Jahren saß ich häufig allein in einem Restaurant und habe alleine vor mich hingemümmelt (hat natürlich nichts mit Reutlingen zu tun!)

Undenkbar wäre das gewesen in einer Baptistengemeinde der 60iger und 70iger Jahre. Merkt ihr was? Wir sind gerade dabei, unser Tafelsilber zu verschleudern, in dem wir die Individualisierung der Gesellschaft in unsere Häuser haben einziehen lassen. Gemeinde und Gemeindefamilie sind aber nie „My-Home-is-my-Castle“ – Bewegungen sondern die Gemeinschaft derer, die sich um den Tisch des Herrn versammeln. Und um die Tische derer, die ihm, dem gastfreundlichen und gastgebenden großzügigen Gott nachfolgen. In einer Zeit, in der die Welt zu Gast bei Freunden ist – nicht immer so romantisch wie bei der Sommermärchen-WM 2006 – sondern auf deutlich herausforderndere Weise – müssen wir den Hebräerbrief und alle Essensgeschichten der Bibel – neu buchstabieren. Denn jetzt sind es multikulturelle und multireligiöse Gäste, die gerne nicht nur in Erstaufnahmelagern sondern an unseren Tischen in der Gemeinde und in den Häusern Platz nehmen wollen. Ähnlich wie beim Weltethos in den österreichischen Alpen kann Gastfreundschaft und Tischgemeinschaft zum Weltfrieden beitragen.

„Und sie werden kommen von Norden und Süden, von Osten und Westen und zu Tisch liegen im Reich Gottes“. Unsere Güte, unsere Kochkunst, unseren Weinverstand und unser offenes Ohr und unsere offenen Herzen lassen wir kundwerden allen Menschen. Das wär‘s.

Guten Appetit, Prost und Amen.

Euer Pastor Günter Mahler

 

Impuls Mai 2018

Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen (Jonathan Swift)

Ich weiß nicht, ob Jonathan Swift den Hebräerbrief kannte. Denn sein wirklich wunderbarer Satz ist nur geklaut.

Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht.“ (Hebräer 11, 1)

Noch ein Satz über Visionen, der in die Geschichte eingegangen ist:
„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ (Altkanzler Helmut Schmidt). Sucht Euch was aus. Ganz im Ernst. Das ist der Lackmustest für unseren Glauben. Die Realisten unter uns neigen zu Schmidt. 4,5 Millionen – bei allem Respekt: Ihr habt doch nicht mehr alle Latten am Zaun. Die Schwärmer unter uns sagen: Kein Problem. Gibt der Herr ein Häslein, gibt er auch ein Gräslein.

Die Glaubenden unter uns sagen keinen der beiden Sätze. Sie halten es mit dem Verfasser des Hebräerbriefes. Der Glaube als Fundament für unser Gemeindehaus und unser Glaubenshaus. Im Vertrauen auf Gott eine neue Sicht gewinnen. Zu erst auf mich als Person selbst. Mit all meinen Brüchen, mit meinen Unzulänglichkeiten, mit meinem kleinen Glauben, ja, selbst mit meinen Zweifeln. Das Vertrauen auf Gott setzt mir eine neue Brille auf. Und die ist nicht rosarot. Aber ich sehe hinter die Fassade meines Bruders, meiner Schwester. Nicht um zu entlarven, sondern um hinter allen Masken und allem Make-up das geliebte Kind Gottes zu sehen. Der Glaube lässt meine Familie, die Gemeinde, in einem neuen Licht erscheinen. Da sehe ich nicht nur müde, ausgebrannte, abgearbeitete Zeitgenossen. Ich sehe die Gemeinschaft der Kinder Gottes in all ihrer Schönheit.

Wir haben den Startschuss zum Aufbruch gegeben. In ein neues Gemeindehaus. In die Zukunft. Ich muss dabei immer wieder an meinen Freund und Kollegen Hans Stapperfenne denken. Er war mein Augenarzt. Wir standen in einer Bruchbude in Bayreuth. Ich sah nur Arbeit, Dreck und Unmöglichkeit. Und Hans sah schon das neue „Bäckerhaus“, einen Kerzenladen, eine Heimat für Migranten ….

Und immer, wenn wir über Geld sprachen, verbot mir Hans dieses Killerargument der ungläubigen sogenannten Realisten. Über Geld reden wir erst ganz zum Schluss. Ist die Sache von Gott, wird es gelingen.

In dieser Haltung gehe ich gerne mit Euch in die Bauphase. „Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht.“ (Hebräer 11, 1). Lasst uns bei Gott in die Schule gehen und so das anpacken, was er uns anpacken heißt. Er segne und behüte uns in den kommenden Monaten und Jahren.

Pastor Günter Mahler