„Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“  Ps. 139, 14

Wer bin ich?

Zwei Studenten der Philosophie  verlassen nach längerem Zechen eine Kneipe. Sie haben diskutiert, miteinander geredet und treten hinaus in die kühle Nacht. Und wie das so geht, bricht aus dem einen heraus: „Wer bin ich? Wer bin ich und wenn ja,  wie viele?“

Überraschend, erstaunlich. Bin ich nicht einfach ich? Sind wir jeweils mehrere? Aufgeteilt, aufgesplittert, zerrissen in unterschiedliche Personenanteile?

Die Frage hat was: wenn ja, wie viele? Der Philosoph Richard D. Precht hat das erzählt und ein heiter lesenswertes Buch darüber geschrieben.

Wir alle kennen uns ja leidlich und merken an uns, wie wir agieren und reagieren. In unterschiedlichen  Begegnungen und Situationen sind wir mal so oder so. Oder kennen unsere unterschiedlichen Gesichter: Freundlich, zornig, wütend, liebevoll, zuvorkommend, sachlich, geduldig, respektvoll, dominierend, zurückhaltend, begrenzt, zufrieden/unzufrieden, rechthaberisch, tolerant,……  .

Im Blick auf sich und auch auf andere macht das ja manchmal ganz schön verzagt: oh Mann/Frau, schon wieder! Oder stolz, was für ein toller Kerl/Kerlin  sind wir doch!

In unserem Psalmtext entdeckt der Schreiber in einem Hymnus seine Palette an inneren und äußeren Regungen. Er adressiert sie an EINEN, seinen Gott und Herrn. Der Schreiber buchstabiert sein Inneres in der Gegenwart Gottes, seinen Leib, seine Seele und seinen Geist.

Wie gehen wir mit uns selber um? Kriegen wir das (manchmal) hin uns selber mit unseren Stärken und Begrenzungen Gott ehrlich hinzuhalten?

Der Psalmist erfährt sich selber als ein durch und durch von Gott erkannter und zugleich behüteter Mensch. Er kann vertrauen, selbst dann, wenn er sich auf Abwegen befindet. Gott bringt mich auf den ewigen Weg zurück.

Mich begleitet seit längerer Zeit ein  Gebet von Romano Guardini, kath. Theologieprofessor und Religionsphilosoph.

„Immerfort empfange ich mich aus deiner Hand.

Das ist meine Wahrheit und meine Freude.

Immerfort blickt mich dein Auge freundlich an, und ich lebe aus deinem Blick, du mein Schöpfer und mein Heil.

Lass mich in der Stille deiner Gegenwart das Geheimnis meines Lebens verstehen: dass ich bin.

Dass ich bin durch dich und vor dir und für dich.“

Wenn das so ist, dass ich mein Leben aus seiner Hand empfangen habe und empfange, dann kann ich für mich alle die tollen und die weniger tollen Seiten mit IHM in Einklang bringen, in Einklang bringen lassen und das auch für andere so sehen, sehen lernen.

Wenn das so ist, ER schaut mich freundlich an, dann gibt es immer weniger Grund auch mit mir und anderen unfreundlich zu sein.

Da entsteht in der Stille seiner Gegenwart Neues, neues Sehen, Wahrnehmen und  Verstehen.

Euch allen eine gute Zeit und bleibt gesund im August.

Peter Knobloch