Krisen gehören dazu

Unser Leben ist nicht perfekt, auch wenn wir uns dies manchmal wünschen. Wir erleben gerade, wie ein kleines Virus plötzlich alles durcheinanderbringt. Es macht wieder einmal deutlich: Krisen gehören zu unserem Leben dazu. Die Bibel verschweigt das nicht.

Der Gottesmann Elia zum Beispiel erleidet eine schwere Depression (1. Kn. 19,1ff). Heute sprechen wir von Burn-out. Und das nach seinem bisher größten Erfolg! Gravierender kann der Gegensatz nicht sein. Eben noch auf dem Berg Karmel stand Gott ihm zur Seite. Elia allein gegen 450 Baalspriester (1. Kn 18,19ff). Der alte Glaube muss schließlich wiederhergestellt werden: Recht, Ordnung und Gottesgehorsam. Doch jetzt fürchtet der Mann Gottes um sein Leben. Königin Isebel ist eine schlechte Verliererin und will ihn aus Rache töten. Aus Angst um sein Leben flieht Elia in die Wüste. Was kann er schon allein gegen die königliche Macht ausrichten?

Elias Erfahrung ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Krise erfahren und durchstanden werden kann. Sie beginnt damit, dass sich die Ausgangslage grundlegend verändert hat. Das gewohnte Leben ist durcheinandergeraten – und oft auch unser bisheriger Glaube. Denn meist steht zu Beginn nur fest: So wie bisher kann es nicht weitergehen. Alte Methoden und Rezepte helfen nicht mehr weiter. Allerdings erkennen wir den neuen Weg noch nicht.Während Elia in der Wüste seines Lebens mit seinem Latein am Ende ist, erfährt er Gott auf neue, ja bisher unbekannte Weise. Statt Vorhaltungen zu machen, schickt Gott ihm einen Engel, um den Gottesmann zu stärken. Später begegnet Elia Gott selbst – und erfährt den HERRN als Gott der leisen Töne und zarten Berührung. Dazwischen liegt ein langer Weg: 40 Tage. Krisen lassen sich nicht im Handumdrehen lösen. Sie kosten Kraft und benötigen Zeit.

Der erste Schritt zur Lösung beginnt damit, dass wir uns bewegen und auf die Suche machen. Und dass wir offen aussprechen, wie es uns gerade geht. Das dürfen wir von den Menschen in der Bibel lernen. Die Psalmen oder Propheten nehmen dabei kein Blatt vor dem Mund, wenn sie Gott ihr Leid klagen. In einer Krise müssen oft alte Gottesbilder zerbrechen, damit ein neuer Aufbruch gelingen kann. Damit der Glaube geweitet werden, wachsen kann. Nach der neuen Gotteserfahrung am Horeb erhält Elia eine neue Beauftragung. Gottes Werk geht weiter – mit Elia und darüber hinaus. Denn er erfährt: Weit mehr Menschen haben sich dem Fruchtbarkeitsglauben widersetzt. Über 7.000 Personen. Elia ist nicht, wie er bisher glaubte, alleine unterwegs.

Wir meinen, über uns und unsere Zeit Bescheid zu wissen. Doch unsere menschliche Perspektive ist oft eingeschränkt. Gott ermöglicht mehr. Er beauftragt Menschen, die krisenanfällig sind. Er benötigt keine perfekten Mitarbeiter. Krisen ermöglichen neue Perspektiven und tiefgehende Erfahrungen. Die Vergangenheit behält keine Macht über uns. Neues ist möglich, ja dürfen wir entdecken. In einer Krise lernen wir uns intensiver kennen. Und in ihr dürfen wir auch Gott erfahren. Mitten in der Krise gibt er sich neu zu erkennen. Er hält zu uns. Er berührt uns, stärkt uns. Er stellt uns Menschen an die Seite, Begleiter, Engel: Ein stärkendes Wort, eine berührende Tat zur richtigen Zeit.

Elia hat eine neue Beauftragung bekommen und sie auch angenommen. Was ist dein Auftrag? Wie sollst du deinen Weg weitergehen? Welche Stärkung benötigst du gerade? Wem kannst Du ein Engel, ein behutsamer Begleiter auf Zeit werden?

Holger Gohla