Jesus spricht: Wachet!

Markus 13, 37

Wachsam sein – achtgeben – aufmerksam sein – eine wichtige Fähigkeit, die wir schon von klein an erlernen.

Vermutlich jedes Kind hat von den Eltern den Satz gehört: „Gib Acht, wenn du die Straße überquerst!“,  die Lehrer in der Schule ermahnen zur Aufmerksamkeit und auch als Erwachsene brauchen wir die Fähigkeit wachsam und aufmerksam zu sein in vielerlei Hinsicht, um unser Leben gestalten und bewältigen zu können.

Im Markusevangelium lesen wir, dass Jesus seinen Jüngern ebenso diese Aufforderung mit auf den Weg gibt. Er redet mit ihnen über das Ende der Zeiten und fordert sie auf, seine Wiederkunft wachsam zu erwarten.

 „Wachet!“ gilt also auch uns heute!?

Was bedeutet das heute für uns, wachsam zu sein? Schauen wir aufmerksam hin oder verschlafen wir womöglich bedeutsame Entwicklungen in unserer Welt? Lassen wir uns wachrütteln von den vielen jungen Menschen, die auf die Straße gehen und uns an die Bewahrung der Schöpfung erinnern? Blicken wir wachsam auf das, was in unserer Gesellschaft vor sich geht? Hier tun sich gerade Tendenzen auf, die schon einmal in der Vergangenheit verschlafen wurden – mit furchtbaren Folgen.

Gehen wir mit wachem Blick durch den Tag? Wir sind ja immer beschäftigt, kümmern uns um tausend Dinge und gemessen an unserem hohen Aktivitätspensum müssten wir eigentlich ständig hellwach sein. Aber am Ende des Tages bemerken wir manchmal, dass wir nur ganz Weniges bewusst wahrgenommen haben, stattdessen Vieles an uns „vorbei-gerauscht“ ist.

Unser Alltag mit der Fülle an Aufgaben und Anforderungen- sei es in Schule, Beruf, in Familie und Beziehungen- ist oft schon anstrengend genug, uns müde zu machen. Wenn dann noch Krankheit oder Trauer oder persönliche Schwierigkeiten dazu kommen, fordern diese unsere Aufmerksamkeit oft so sehr, dass wir es schlichtweg nicht „packen“, auch noch auf Belange oder Personen in unserem Umfeld achtzugeben.

„Wachet!“ Woher die Kraft nehmen um wach und wachsam zu bleiben?

Jesus hat während seiner Zeit auf der Erde manchen Tag und manche Nacht wachend und betend verbracht, hat die Gegenwart des Vaters gesucht um neue Kraft zu schöpfen, um sich über seinen Weg klar zu werden, um sein Herz auszuschütten, um innige Gemeinschaft mit dem Vater zu haben… In Gethsemane sagt Jesus zu seinen Jüngern mehrmals “wachet und betet“.

Gehören wachen und beten zusammen?

Im Beten nehme ich etwas anderes in den Blick als mich selbst. Mein Blick geht weg von mir, hin zu Gott, der mich ansieht und mit mir redet. Im Beten erfahre ich seinen Zuspruch „Ich bin da“. Darin fühle ich mich geborgen und kann dann den Blick von meinen eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten loslassen, weg von meinem Unvermögen und meinen Enttäuschungen, die mich kraftlos und müde machen.

Damit sind die müde-machenden Dinge des (Alltags-)Lebens nicht weggenommen, aber ich bekomme eine neue Perspektive auf sie. Ich gewinne Zuversicht, weil ich spüre, da wacht Einer mit und über mir. Ich werde aufmerksam auf Gottes Möglichkeiten und auf sein hilfreiches Eingreifen. Und ich entdecke dankbar Momente und Begegnungen mit anderen – wachsamen – Menschen, durch die ER mich mit seiner Fürsorge, Zuwendung und Liebe beschenkt. Und ich werde – hoffentlich – immer wacher für die Nöte und Bedürfnisse der Menschen um mich.

Rita Kamenowski-Bucher