Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!      Petrus 4, 10

Vier Jungen spielten an einem See. Mitten in ihrem übermütigen Spiel fällt einer von ihnen ins Wasser. Er droht zu ertrinken. Aber der größte Junge von den Vieren kann seinen Freund schließlich aus dem Wasser ziehen und retten. Als sie später alle gefragt werden, was sie getan haben, sagt der erste: „Ich bin unglücklich ins Wasser gefallen!” Der zweite antwortet: „Ich habe ihn wieder herausgezogen!” Der dritte Junge sagt: „Ich habe den großen Jungen festgehalten, damit er bei der Rettung nicht auch noch ins Wasser rutschte!” Und der Kleinste schließlich sagt: „Ich habe laut geschrien!”

Alle vier Personen kommen in einer Gemeinde vor. Einer fällt in eine Not, Schwierigkeit oder Schuld. Es ist müßig, sich darüber zu unterhalten, wie das geschehen konnte. Er muss herausgezogen werden. Da ist der Starke, der seine Kräfte einsetzt, zupackt und hilft. Da ist der andere, der im Hintergrund steht und durch seine Gebete und Ermutigung dem Tätigen beisteht. Und schließlich ist noch einer da, der einfach schreit, wenn irgendwo Not oder Elend geschieht, damit andere darauf aufmerksam werden. In der Gemeinde sind sie alle zusammen.

Diese kleine Geschichte aus einem Andachtsbuch von Axel Kühner erschließt einem sehr eindrücklich, was unser Monatsspruch zum Ausdruck bringen möchte.

Bedauerlicherweise ist es so, dass so manche besondere Gabe unerkannt und ungenutzt verkümmert. Immer wieder begegnet man nämlich Menschen, die absolut davon überzeugt sind, dass Gott sie wohl bei der Verteilung der Gaben übersehen habe.

Sie glauben, dass nicht jeder, sondern nur einige wenige, besondere Menschen, eine Gabe empfangen haben. Nun, wenn dem so wäre, dann hätte Petrus in seinem Brief ganz sicher anders formuliert. Denn dann müsste es eigentlich heißen: „Diejenigen, die eine Gabe empfangen haben, die dienen bitte einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes!“

So steht es aber nicht in Gottes Wort und deshalb dürfen wir fest davon ausgehen, dass jeder Mensch mindestens eine und manche sogar mehrere Gaben geschenkt bekamen.  Unser Gott ist kein ärmlicher Gott. Er gibt reichlich und überschwänglich, er liebt die bunte, ja schier unfassbare Vielfalt.

Über 7 Milliarden Menschen bevölkern diese Erde und keiner gleicht dem anderen. Alle sind wir als einzigartige Originale geschaffen, unverwechselbar und jeder sehr besonders. Ich bin immer wieder fasziniert darüber, dass nicht zwei Menschen auf dieser Welt denselben Fingerabdruck haben.

Und das alles betrifft nur das Äußerliche. Die einzigartige Mischung von Gaben und Fähigkeiten, die zu einer Person gehört, macht jeden zu einem kostbaren Original. Diesen Reichtum der Gnade Gottes, den sollten wir unbedingt zur Entfaltung bringen, denn es ist eine Menge in uns hineingelegt.

Es sind Gaben unterschiedlichster Art, die Gott uns Menschen schenkt.  Manche sind sehr auffällig:

– die Fähigkeit zu lehren und zu leiten

– die Gabe Krankheiten zu heilen

– die Gabe der Zungenrede und deren Deutung

– die Gabe der Unterscheidung der Geister

– besondere technische und kreative Fähigkeiten

– Andere sind dagegen weniger auffällig, aber keineswegs weniger bedeutsam

– Die Fähigkeit das richtige Wort zur richtigen Zeit sagen zu können

– Die Gabe Menschen treu nachzugehen, Kontakt zu halten und den Draht nicht abreißen zu lassen

– Die Begabung, in bestimmten Situationen genau zu wissen, was jetzt dran ist

– Die Fähigkeit, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, in der man sich wohlfühlt

– Die Gabe immer ein offenes Ohr für die Sorgen anderer zu haben

Und auch das sind nur einige der vielfältigen Gaben Gottes. In bestimmten Situationen sind es gerade diese weniger auffälligen Gaben, die am dringendsten gebraucht werden und deshalb so besonders wertvoll sind.

Der Reichtum der Gnade Gottes, aus dem wir leben dürfen, verpflichtet uns, nicht als Egoisten durchs Leben zu gehen, sondern uns für andere einzusetzen und ihnen mit dem, was uns als Gabe geschenkt ist, zu dienen. So sollen wir Gott die Ehre geben.

Hartmut Schilitz