Liebe Gemeinde,

es ist sehr heiß. Die Sonne brennt und der Weg geht immer mal wieder steil bergauf. Trekking in Nepal kann ganz schön anstrengend sein. Ich bin ziemlich platt. Dabei hatte der Verkäufer mir versprochen, dass ich meinen neuen, leichten Hightech Rucksack  gar nicht spüren werde und quasi den Berg rauffliege. Aber ich spüre jedes Gramm und irgendwie habe ich den Trick mit dem Fliegen noch nicht raus.

In einem Dorf machen wir erschöpft Pause. Viele Kinder springen um uns herum. Wir verteilen ein paar Luftballons. Dann passiert das Unerwartete. Wir werden eingeladen zu einer Tasse Tee. Hat man uns das angesehen, dass wir so k.o. sind? Als wir weiterziehen wollen, gibt es Proteste der Dorfbewohner. Sie haben gerade Dalbat (Reis mit einer Linsensoße) gekocht.  Das müssen wir unbedingt probieren. Wir in unseren Hightech Klamotten, etwas platt, aber wohl genährt. Sie, trotz ihrer Armut, teilen das Wenige was sie haben mit uns, denn wir sind ja ihre Gäste.

Mich hat diese Gastfreundschaft sehr bewegt und nachdenklich gemacht. Als ich den Vers für den  Monat Oktober gelesen habe, fiel mir diese Geschichte wieder ein. „Hast du wenig so gib auch das wenige mit treuem Herzen“. Die Menschen in Nepal hatten nicht viel. Das Wenige teilten sie mit Leuten, die sie nicht kannten, die aber scheinbar Durst und Hunger hatten.

Es gibt sie auch, die anderen Beispiele. Menschen die viel, sehr viel Geld haben, geben von ihrem Reichtum ab. Sie gründen Stiftungen und sorgen so dafür, dass arme Menschen Bildung erhalten oder kostenlos zum Arzt gehen können. Oft werden Millionen Euro oder Dollar in solche Projekte gesteckt. Die Motivation mag unterschiedlich sein. Solange die Hilfe ankommt, ist es egal. Manchmal ist es Dankbarkeit. Conny Mahler und ihre Schwester Monika mit ihren Ehemännern haben aus solch einem Grund die Stiftung Eudim gegründet. Damit unterstützen sie Projekte, die das Ziel haben, anderen Menschen in Not zu helfen. Wer viel hat, kann viel geben. Aber auch wer wenig hat, kann etwas dazu beitragen, dass anderen Menschen geholfen wird.

Sie sind in Jerusalem und stehen vor dem Tempel, Jesus und seine Jünger. Viele Menschen spenden Geld und die Reichen besonders viel. Die arme alte Frau, die nur wenig gibt, wird von Jesus gelobt. Weil sie von dem Wenigen, was sie besitzt, alles gibt. Am Ende des Tages hat man wahrscheinlich beim Geld zählen gar nicht gemerkt, dass sie was gab. Aber Jesus hat ihre Haltung, ihre Einstellung gesehen.

Es kommt also nicht darauf an, wieviel man gibt. Es kommt auch nicht darauf an, was man gibt. Klar, mit Geld kann man viel Gutes tun. Wenn viele wenig geben, ist das oft auch eine Menge. Aber es geht auch anders z.Bsp. dem Anderen Zeit schenken. Für die Nachbarin, die schlecht laufen kann, einkaufen gehen. Menschen zum Essen einladen, es muss kein 4-Gänge Menü sein. Zeit schenken mit zuhören, spazieren gehen, für einander beten und … Es gibt so viele Möglichkeiten, Gutes zu tun. Immer nach den Gaben, die man hat.

Natürlich kann man den Einwand erheben: Wenn ich reich bin, kann ich gerne was geben, mir bleibt ja noch genug zum Leben. Wenn ich aber sehr wenig habe, was soll ich denn da noch abgeben? Ich brauche doch selber was zum Leben. Aber das ist nicht Aussage dieses Textes. Sondern egal in welcher Situation wir sind, auch den Blick für den anderen haben.

Übrigens, wer sich jetzt die ganze Zeit gefragt hat, wo finde ich eigentlich das Buch Tobias in meiner Bibel. Naja, man muss schon die erweiterte Form der Bibel besitzen. Das Buch Tobias steht in den Apokryphen. Es handelt von einem frommen Mann, der mit seinem Reichtum anderen Menschen half. Als er wie viele Israeliten in Gefangenschaft kam und arm wurde, motivierte er seine Leidensgenossen und half mit dem Wenigen, was er hatte. Zurück in der Heimat will sein Sohn auf Wanderschaft gehen. Ihm sagt er diesen Satz. Auch der Sohn hält sich dran und wird gottesfürchtig und gibt, wo immer er kann.

Der Monatsspruch ist eine Motivation, im Auftrag Gottes Hilfebedürftige zu unterstützen mit den Möglichkeiten, die wir haben. „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht da Herz an“. Das sagt Gott. Er wird mich bei meinem Geben segnen. Gott stresst nicht, dass wir eine bestimmte Summe geben müssen, das wir bestimmte Hilfen erbringen müssen. Wenn wir helfen und andere unterstützen, sollen wir das von ganzem Herzen tun ohne Hintergedanken, welchen Vorteil habe ich dabei.

Am Ende unserer Trekkingtour haben wir als Gruppe beschlossen, dass wir in Nepal mitten in den Bergen eine Schule bauen werden. Wir hatten in dem Moment keinen Plan, wie wir das finanzieren könnten. Jeder gibt, was er kann, war die Devise. Mit vielen kreativen Ideen haben wir es geschafft, den Kindern in dieser Region die Chance auf Schulbildung zu geben. Vier Jahre später stand die Schule.

 

M. Schütze